Reha Tag 10

Hallo da draußen!

Tag 10 hier und langsam bin ich in der Klinik bekannt.
Die Rezeption darf mir täglich liebe Post aushändigen, dauernd werde ich auf meine Schuhe angesprochen, bei der Wassergymnastik bin ich die, die immer fast unter Wasser ist und dem Ärzte- und Therapeutenteam bin ich als schwieriger Fall bekannt.
Uuuuuuuuund heute hat sich eine Mitpatientin als allabendliche Leserin meines Blogs geoutet. Ich wäre fast vom Laufband gepurzelt.
Gerade letzteres freut mich sehr und ich bitte euch, empfehlt mich weiter, teilt den Link.
Es müssen noch so viele erfahren, das Krebs kein Dasein mit Stimmung im Keller und Kotzeimer bedeutet, das es aber auch in Puncto Versorgung noch an einigen Ecken klemmt.

Nach einer stürmischen Nacht, ging mein Tag heute 9 Uhr mit Wassergymnastik los.
Das heißt liegen bleiben bis gegen 7:30/7:45, fertig machen ohne Gesicht aufmalen – fällt im Wasser eh wieder runter.
Die Wassergymnastik selbst war heute eher Wasserballett und keiner hat‘s gefilmt.
Sooooo schade.
Mit gelben Päddels schieben wir Wasser zur Seite, nach vorne oder hinten, laufen durch‘s Becken und ich versuche dabei nicht zu ertrinken. Irgendwann werden die Wellen über meinem Kopf schon noch zusammen schlagen.
Und zum Abschluss fasst jeder das Päddel seines Nachbarn und wir laufen in der Mitte zusammen, heben die gelben Dinger aus dem Wasser und laufen zurück und senken die Dinger wieder. Wie eine aufblühende Seerose.
Ich möchte bitte nächstes Mal so eine hübsche Gelfrisur mit Dutt, ne Nasenklammer und wasserfestes Make-up und natürlich so nen ultraschicken Badeanzug haben.
Und dann kann Olympia kommen!

Nachdem ich geduscht, getrocknet und irgendwie in dem Kompressionsstrumpf gekommen bin (da waren sie wieder meine drei Probleme) war Termin beim Sozialdienst.
Nun ja schwieriger Fall, der allen Kopfzerbrechen macht und momentan auf ne 50:50 Variante raus läuft.
Für Brustkrebs und Lymphoedem gibt’s regulär keine Rente. Bei Depression aber schon, wird man aber wohl zum psychiatrischen Gutachten eingeladen.
Nun wäre die Frage: Lässt man den Widerspruch einfach Widerspruch sein, beantragt berufliche Rehabilitation und guckt was man zukünftig beruflich für Möglichkeiten hat bzw. ob man welche hat.
Oder verfolgt man das erst mal mit der Rente, kümmert sich um weitere Genesung und arbeitet die psychologische Baustelle ab und weiß dann wo man steht und wo man hin will?
Chefarzt, die behandelnde Ärztin, die Psychologin und auch die Dame vom Sozialdienst sehen mit nicht im Helfersektor und momentan auf keinen Fall Onkolotse oder ähnlich.
Nur was will ich dann???
Nachdem ich jetzt den halben Tag darüber nachgedacht und gesprochen habe, denke ich werde ich Variante 2 forcieren und bei Ablauf oder wiederum Ablehnung dann die berufliche Reha anstreben. Sollte die erfolglos verlaufen, lande ich wieder im Rentenverfahren.
Verzwickte Kiste.

Derartig voll mit Input und Fragezeichen liege ich beim autogenen Training.
Herrn König zu Ehren, der einzige Mann in dieser Art der Therapie dem ich heute morgen versprochen habe seinen Wunsch zu erfüllen, reisen wir mit unserer freitäglichen Phantasiereise auf eine schöne Sommerwiese mit Gräsern und Blumen, Käfern und Schmetterlingen.
Herr König falls Sie das hier lesen, ich habe mein Versprechen eingelöst, Sie hatten hoffentlich keinen Schluckauf auf der Heimreise und ehrlich gesagt die Wiese hat mir besser gefallen als der Strand!
Natürlich hab ich auf der Wiese über meine Zukunft nachgedacht, war aber sehr entspannt wie ein Blick auf die Pulskurve der Fitbit zeigt.

Vor dem Mittagessen noch Entstauungsgymnastik.
Alles irgendwie armlastig heute, erst das Wasserballett und jetzt hier.
Wir üben heute mit Stäben, die zu Hause gut gegen Besenstiele ersetzt werden können.
Ist schon faszinierend was es an Möglichkeiten zum üben gibt.
Zu Hause mit Besen dran, könnte man sogar einen Teil der Hausarbeit in Rehasport verwandeln.

Nach dem Mittagessen, heute Spinat und Rührei, war ich noch für 20min Laufband eingetragen.
Wow bei 4,5km/h hat mein Hirn den Begriff Laufband verstanden. Ich laufe ohne mich festzuhalten meine 20min ab. Bei 2,5km/h kommt eher so ne Art Rolltreppen Effekt, drauf und stehen bleiben. Hinten runter fallen und akrobatische Einlage liefern.
Aber so wie heute werd ich das im Therapieplan belassen.

Freiwillige Veranstaltung heute – geführte Wanderung.
Na ja für Wanderer eher ein Spaziergang, aber es gab unterwegs gute Tips zu den verschiedenen Rundwegen in Bad Tabarz und Informationen zum Ort selbst und ne Pause im Hotel zur Post wo ich mir erst mal nen Eisbecher gegönnt hab.
Ich weiß gar nicht ob unser tierischer Begleiter was bekommen hat.

Einiges an tollen Fotos ist entstanden, eine kleine Kostprobe hier und den Rest muss ich mal gucken wie ich euch den zugänglich machen kann.

Den krönenden Abschluss der Therapiewoche, das Wochenende findet ja in Eigenregie statt, bildete der Liederabend in der Cafeteria.
Fällt zuerst mal unter die Kategorie „würde ich zu Hause nicht hingehen oder machen!“ (Dörte ich hab mal geklaut bei dir).
Aber war hier ganz lustig und tatsächlich schön gemacht von einem tschechischen Gitarren Künstler mit einer Conzeptgitarre, mit der er Lieder mit und ohne Gesang vortrug und immer mal was dazu erklärte.
Und was bildet die Zugabe, wenn ein Tscheche der Künstler ist????
Richtig geraten!

Mit diesem Ohrwurm verabschiede ich mich bis morgen.

Eure Anett

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