Ich pflege meine Eltern.
Ich tue das aus Liebe, aus Verbundenheit und aus dem Wunsch heraus, für die Menschen da zu sein, die mich ein Leben lang begleitet haben.
Doch selbst diese tiefe Zuneigung schützt mich nicht davor, dass Pflege manchmal zu einer Belastung wird.
Manchmal schleicht sich die Erschöpfung leise in meinen Alltag: unruhige Nächte, Fahrigkeit, Vergesslichkeit, ein ständiges Gefühl von Verantwortung, das kaum noch Pausen zulässt.
Und manchmal trifft es mich plötzlich — dieser Moment, in dem ich spüre, dass meine Kräfte nicht unendlich sind.
Und das alles zu meinem schon bestehendem Fatigue Syndrom!
Ich trage viel: körperlich, emotional, organisatorisch.
Ich jongliere Termine, Medikamente, Sorgen, Erwartungen.
Ich halte aus, tröste, entscheide, begleite. Ich sehe und erfahre Dinge über meine Eltern, die bisher verborgen waren.
Oft tue ich das im Stillen, ohne große Worte, ohne Anerkennung, ohne Raum für meine eigene Verletzlichkeit.
Oft plagt mich auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nicht so funktioniere.
Doch Überlastung ist kein Zeichen von Schwäche.
Sie ist ein Signal!
Ein Hinweis darauf, dass ich nicht allein tragen muss, was eigentlich für mehrere Schultern gedacht ist.
Entlastung kann viele Formen haben: – ein Gespräch, in dem ich ernst genommen werde
– jemand, der mir den Besuch im Pflegeheim abnimmt
– ein Pflegedienst, der Aufgaben übernimmt
-Haushaltshilfe
– ein Ort, an dem ich sagen darf: „Ich kann gerade nicht mehr.“
Und genau dieser Satz verdient Respekt — nicht Rechtfertigung.
Ich brauche Pausen, Unterstützung und Mitgefühl, denn ich bin nicht nur pflegende sondern selbst auch erkrankte Tochter.
Gute Pflege entsteht nicht nur aus Fürsorge für andere, sondern auch aus Fürsorge für mich selbst.
Andrea schreibt:
Dieses „Nicht mehr Funktionieren“ wollen wir nicht wahrhaben, es ging ja
bisher immer alles und auch das Umfeld hat sich daran gewöhnt, die wird
„das Ding schon rocken“.
Umso wichtiger ist es, sich einzugestehen, dass ein „Weiter so“ nicht
mehr geht. Die ältere Generation, für die wir sorgen wollen, muss es
genauso akzeptieren wie alle um uns herum. Dabei wird sich dann mitunter
herauskristallisieren, wer wirklich zu einem hält oder was wir anderen
Menschen wert sind. Menschen, die nur das Schöne/ Sonnige mit dir
erleben möchten aber in den anderen Seiten des Lebens abhanden kommen,
weil da haben sie ja sooo viel zu tun, sind Menschen, die uns nicht gut
tun.
Wir brauchen Verständnis, Zuwendung und Akzeptanz und das wünsche ich
Dir herzlich.
Andrea