Warum auch wir, die andere begleiten, manchmal stolpern – und was ich mir selbst rate.
Als Achtsamkeitstrainer gebe ich euch hier regelmäßig Impulse mit auf den Weg. Vor einiger Zeit habe ich eine kleine Sonntagsreihe gestartet, in der ich euch mitnehme in meine Welt – in Routinen, Gedanken, Praxis. Ich arbeite vor Ort und online mit Menschen, die neugierig sind, die sich entwickeln wollen, die sich selbst wieder näherkommen möchten.
Viele von euch wissen: Ich engagiere mich seit Jahren in der Frauenselbsthilfe Krebs, helfe privat oft und gern, und bin – wie ich immer scherzhaft sage – ein „beschäftigter Rentner“.
Wäre da nicht die Fatigue, die mich seit der Krebstherapie begleitet. Sie nimmt mir nicht nur körperliche Energie, sondern fordert auch meine Psyche heraus. Und genau hier beginnt das Thema dieses Beitrags.
Was rät der Achtsamkeitstrainer sich selbst?
Die kurze Antwort:
Genau das, was ich auch euch rate – nur muss ich es mir selbst manchmal doppelt so deutlich sagen.
Ich verordne mir regelmäßige Termine bei meiner lieben Kathrin Unger: Massage, Entspannung, Hypnose – alles, was Körper und Geist wieder sortiert.
Ich führe einen Kalender, der Außenstehende in die Verzweiflung treiben würde: digital und analog, mit geblockten Zeiten vor und nach Terminen, mit To‑Dos, die ich abhake, mit kleinen Notizen, die mich daran erinnern, Pausen nicht nur zu planen, sondern auch einzuhalten.
Mein Handy hat verschiedene Fokuszeiten bekommen:
- damit ich wirklich Mittagspause habe
- damit ich während der Lymphdrainage nicht angerufen werde
- damit WhatsApp nicht rund um die Uhr Aufmerksamkeit verlangt
Denn auch ich habe Feierabend. Und Wochenende. Und Grenzen.
Meine kleinen Inseln im Alltag
Ich gehe in den Wald.
Ich lese.
Ich stricke abends bei sanfter Musik oder meinen Lieblingsalben.
Oder ich sitze einfach mit einer Tasse Kaffee da und genieße den Moment, ohne etwas leisten zu müssen.
Das klingt alles wunderbar – und das ist es auch.
Aber: Trotzdem komme ich an meine Grenzen.
Trotzdem stürzt der schön geplante Tag manchmal wie ein Kartenhaus in sich zusammen, weil das Leben eben nicht fragt, ob es gerade passt.
Merkt ihr was?
Auch als Achtsamkeitstrainer bin ich nicht perfekt.
Ich bin nicht immer gelassen, nicht immer achtsam, nicht immer im Flow.
Ich bin ein Mensch – mit Geschichte, mit Herausforderungen, mit guten Tagen und mit solchen, an denen ich mich selbst daran erinnern muss, was ich anderen beibringe.
Und genau das macht mich empathisch.
Ich kenne euren Struggle, weil ich ihn selbst erlebe.
Ich weiß, wie schwer es ist, achtsam zu sein, wenn der Alltag brennt.
Und ich weiß, wie wertvoll es ist, wenn man sich selbst nicht verurteilt, sondern liebevoll an die Hand nimmt.
Mein Impuls für euch
Nehmt den Druck raus.
Ihr müsst nicht perfekt sein.
Ihr müsst nicht jeden Tag meditieren, journalen, atmen, reflektieren, dankbar sein und gleichzeitig alle To‑Dos abhaken.
Jeder findet seine eigene Methode.
Und manchmal ist die achtsamste Entscheidung einfach:
„Heute mache ich nur das, was mir gut tut.“
Wenn ihr das schafft – auch nur für ein paar Minuten – dann seid ihr schon mitten in der Achtsamkeit.