Mein persönliches Ostern – sieben Jahre später


Im März vor sieben Jahren lag ich im Krankenhaus und hatte meine erste brusterhaltende Operation.
Horst flog raus.
Ein Abschied, bei dem ich keine Träne vergossen habe – und das sagt eigentlich schon alles.

Was ich damals nicht ahnte:

Während ich mich von diesem ungebetenen Untermieter verabschiedete, begann gleichzeitig etwas Neues. Neben mir lag eine Frau, die am selben Tag operiert wurde, ein ähnliches Schalentier verabschiedet hatte und mit der ich sofort eine Verbindung spürte. Aus dieser zufälligen Bettnachbarschaft ist eine Freundschaft entstanden, die bis heute hält. Manchmal schenkt das Leben einem genau dann Menschen, die bleiben, wenn man selbst gerade dabei ist, so vieles loszulassen.

Der Plan, der keiner blieb

Ich war fest davon überzeugt, dass ich den Krebs los sein würde, die Bestrahlung noch durchziehe, zur Reha fahre und dann langsam wieder in meinen Beruf zurückkehre.
Ein klarer Weg. Ein Plan, der sich gut anfühlte.

Doch das Leben hatte andere Ideen.

Schon bald zeigte sich ein Lymphödem am rechten Arm. Weitere Operationen folgten. Und aus dem „Zurück in den Job“ wurde ein zäher Kampf um die Erwerbsminderungsrente bis 2021.
Es war, als würde ich durch einen Nebel irren, in dem die alten Wege plötzlich verschwunden waren.

Warum ich das alles schreibe?

Wir feiern Ostern. Und obwohl ich nicht gläubig bin, berührt mich dieser Gedanke von Neubeginn jedes Jahr aufs Neue. Für mich ist Ostern weniger ein religiöses Fest, sondern vielmehr ein Symbol für das Erwachen der Natur, für das erste zarte Grün nach dem Winter, für den Frühling.

Und ohne anmaßend sein zu wollen:
Der März 2019 war mein persönliches Ostern.

Ich musste mich verabschieden – von meinem alten Leben, meinem Beruf, meiner Arbeitsfähigkeit, meiner früheren Zuverlässigkeit. Und leider auch von Menschen, die mich auf diesem neuen Weg nicht begleiten konnten oder wollten.

Doch gleichzeitig begann etwas Neues.
Ein Weg, der nicht geplant war, aber sich nach und nach zeigte.
Ein Weg, der mich zu mir selbst zurückgeführt hat – zu meinen Kapazitäten, zu meiner Kreativität, zu meiner Fähigkeit, andere zu begleiten.

Ein Neubeginn, den ich nicht gesucht habe – aber der mich verändert hat

Den Krebs hätte ich wirklich nicht gebraucht!
Aber er hat mir – bei allem Schmerz, bei aller Erschöpfung – auch eine Chance gegeben.
Eine Chance, mein Leben neu zu ordnen.
Eine Chance, milder mit mir zu werden.
Eine Chance, ein Kapitel zu öffnen, das ich sonst vielleicht nie betreten hätte.

Heute, sieben Jahre später, schaue ich auf diesen März zurück wie auf einen Wendepunkt.
Nicht glorifiziert, nicht verklärt – aber mit einem tiefen Verständnis dafür, dass Abschiede manchmal der Anfang von etwas sind, das wir uns noch gar nicht vorstellen können.

Und vielleicht ist das der eigentliche Zauber des Frühlings:
Er erinnert uns daran, dass selbst nach den härtesten Wintern etwas Neues wachsen kann.

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