Achtsam durch heiße Tage – Selbstfürsorge im Sommer

Wenn die Temperaturen steigen und die Tage gefühlt endlos werden, geraten wir oft in einen inneren Zwiespalt:

Einerseits möchten wir den Sommer genießen, andererseits raubt uns die Hitze Energie. Genau hier wird Achtsamkeit im Alltag besonders wichtig.

Gerade im Sommer dürfen wir lernen, langsamer zu werden – und mehr auf uns selbst zu hören.

Innehalten statt durchziehen

An heißen Tagen funktionieren Körper und Geist anders. Vielleicht kennst du das Gefühl: Die Konzentration lässt nach, alles fällt schwerer, die Motivation sinkt. Statt dagegen anzukämpfen, darfst du dich fragen:

Welche Aufgabe darf heute warten?

Nicht alles muss sofort erledigt werden. Priorisieren ist keine Schwäche, sondern ein Akt der Selbstfürsorge. Vielleicht reicht es heute, das Wichtigste zu schaffen – und den Rest bewusst zu verschieben.

Energie bewusst wahrnehmen

Hitze verstärkt, was in uns ist. Deshalb lohnt es sich, achtsam hinzuspüren:

Was gibt mir heute Energie – und was raubt sie mir?

Vielleicht ist es ein kühler Raum, ein Spaziergang im Schatten oder ein Glas kaltes Wasser mit Zitrone. Gleichzeitig darfst du erkennen, welche Dinge dich zusätzlich erschöpfen – und dir erlauben, Abstand zu nehmen.

Ehrlich mit dir selbst sein

Im Alltag „übergehen“ wir uns oft. Doch Achtsamkeit beginnt mit einer einfachen, ehrlichen Frage:

Wie geht es mir gerade wirklich?

Nicht oberflächlich, sondern ehrlich und ohne Bewertung. Bist du müde? Überreizt? Oder brauchst du einfach nur Ruhe? Alle Antworten dürfen da sein.

Bedürfnisse ernst nehmen

Jeder Tag ist anders – besonders bei Sommerhitze. Deshalb lohnt es sich, bewusst hinein zu spüren:

Was brauche ich heute? Ruhe, Bewegung, Nähe oder Zeit allein?

Vielleicht brauchst du eine Pause im Schatten statt Sport in der Sonne. Vielleicht lieber ein ruhiges Gespräch statt Trubel. Achtsamkeit heißt, deine Bedürfnisse ernst zu nehmen – ohne schlechtes Gewissen.

Die Basics nicht vergessen

So simpel – und doch so wichtig:

Habe ich heute genug gegessen, getrunken und Pausen gemacht?

Gerade bei Hitze unterschätzen wir oft, wie sehr unser Körper Unterstützung braucht.
Ausreichend trinken, leichte Mahlzeiten und kleine Auszeiten sind keine Extras – sie sind die Grundlage für dein Wohlbefinden.

Dein Sommer, deine Balance

Achtsamkeit im Sommer bedeutet nicht, alles perfekt zu machen.
Es bedeutet, immer wieder innezuhalten und dich mit dir selbst zu verbinden.

Vielleicht nimmst du dir heute einen Moment Zeit, atmest tief durch und stellst dir eine dieser Fragen.

Manchmal ist genau das der erste Schritt zu einem leichteren, entspannteren Tag.

Juni – ein Monat voller Highlights

Hier war es still.

Nicht, weil nichts passiert ist – ganz im Gegenteil.
Das Leben, das Ehrenamt und meine Familie hatten mich fest im Griff.

Der Juni ist einfach immer voll. Voller Termine, voller Begegnungen, voller Highlights.

Gleich zu Beginn stand die Landestagung des Landesverbandes Sachsen e.V. der Frauenselbsthilfe Krebs an – inklusive 35-jährigem Jubiläum.
Wohlfühltag mit der Vogtlandklinik Bad Elster, Modenschau für LaMesma, Wahlen…
Vier intensive, erfüllende Tage.

Vom 10. bis 13. Juni war ich dann in München beim Senologie-Kongress unterwegs.
Ich durfte die Frauenselbsthilfe Krebs vertreten und am Samstag sogar selbst sprechen – auf einem Symposium über Best Practice zwischen Rehaklinik und Selbsthilfe.

Kongresse sind immer ein bisschen alles auf einmal:
Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, neue Kontakte knüpfen, Inspiration tanken – und gleichzeitig die eigenen Akkus ganz schön strapazieren.
Pausen sind da kein Luxus, sondern Pflicht.

Das absolute Highlight im ersten Halbjahr war aber ganz klar das schön&stark-Fotoevent.
Nach einem Jahr Pause endlich wieder da.

Frauen, die von Krebs betroffen sind, im schwarzen Schlüppi vor der Kamera.
Begegnungen, Gespräche, neue Erfahrungen – und nicht selten der Anfang von echten Freundschaften.

Zu den einzelnen Highlights folgen übrigens noch separate Posts – da nehme ich euch nochmal ausführlicher mit.

Jetzt heißt es: durchatmen.
Zumindest so gut, wie es der Pflegealltag zulässt.

Ein bisschen Garten, ein bisschen Schreiben, neue Ideen spinnen, Kooperationen anstoßen, Urlaub in Schweden planen –
und vor allem: Sommer genießen.

Und ihr so?

Cancer Survivors Week Tag 2

Langzeitüberleben Alltag

Langzeitüberleben bedeutet oft, dass einige Therapien weitergeführt werden müssen.

Ich zum Beispiel muss wegen meines Lymphoedems zweimal wöchentlich zur Lymphdrainage bei meiner lieben Manuela Sanne.
Es bedeutet bei mir Kompressionsversorgung tragen und Selbstmanagement und das ein Leben lang.

Einige müssen weiterhin Medikamente nehmen, um den Therapieerfolg zu erhalten, um Nebenwirkungen oder Spätfolgen zu mindern.
Auch das gehört zum Langzeitüberleben.

Krebs spielt zum Glück nicht täglich die große Rolle, aber manchmal gibt er sich einen Auftritt auf großer Bühne – Rezidiv Angst, Angst vor Neuerkrankung, alte Gefühle kommen wieder hoch, wenn die Nachsorge ansteht.
Auch das ist Langzeitüberleben.

Aber Langzeitüberleben ist vor allem, das Leben leben, das Leben lieben, die kleinen Dinge wertzuschätzen und in meinem Fall Erfahrungen und Wissen weitergeben.

Das heutige Video findest du hier:

https://youtu.be/jsegz-6QdI0?is=ZrDikxFu979sCbu6

Miniauszeit im Alltag – kleine Fluchten, die Großes bewirken

Kleine Auszeiten, Miniurlaube, kurze Fluchten aus dem Alltag – für mich sind sie unverzichtbar. Und das nicht erst, seit ich mich intensiv um meine Eltern kümmere. Gerade dann, wenn das Leben dichter, fordernder und emotionaler wird, brauchen wir Inseln der Ruhe. Momente, in denen wir kurz durchatmen und wieder bei uns selbst ankommen können.

Als Achtsamkeitstrainer habe ich einen ganzen Blumenstrauß an Möglichkeiten zur Verfügung. Einige davon möchte ich heute mit dir teilen – vielleicht ist ja auch eine Inspiration für deine eigene Miniauszeit dabei.

Die heissgeliebte Tasse Kaffee

Wer hier öfter liest, wird sich erinnern: Sie darf nicht fehlen – meine heissgeliebte Tasse Kaffee.
Nur ich und der Kaffee. Kein Handy. Kein Buch. Kein Fernseher.

Ich sitze einfach da, halte die warme Tasse in den Händen, genieße den Duft und den Geschmack. Mein Blick schweift umher, ohne Ziel, ohne Aufgabe. Jetzt im Frühling und Sommer besonders gern auf dem Balkon oder im Garten. Ein paar Minuten, die mir unglaublich viel zurückgeben.

Mein Garten – Zufluchtsort mit Erde unter den Fingern

Mein Garten ist mein persönlicher Rückzugsort. Ja, er bedeutet Arbeit – aber genau das stört mich nicht. Im Gegenteil.
Nichts entspannt mich mehr, als stupide hinter dem Rasenmäher herzulaufen oder mit den Händen in den Beeten zu buddeln. Die Bewegung, der Geruch der Erde, das sichtbare Ergebnis – all das erdet mich im wahrsten Sinne des Wortes.

Achtsamkeit durch die Linse

Und dann sind da noch die vielen Blüten und kleinen Tierchen, die ich so gern fotografiere.
Wenn ich die Kamera in der Hand habe, gibt es nur noch das Motiv. Volle Konzentration. Achtsames Entdecken von Details, Spielen mit Perspektiven und Licht, Ausprobieren verschiedener Blickwinkel.

In diesen Momenten bin ich ganz im Hier und Jetzt. Alles andere tritt in den Hintergrund.

Waldbaden für die Seele

Ganz bei mir bin ich auch im Wald. Die unzähligen Grüntöne, das Rascheln der Blätter, das Zwitschern der Vögel – und dieser ganz besondere Geruch. Die Terpene, die die Bäume abgeben, entfalten ihre wohltuende Wirkung ganz unbemerkt.

Je nach Stimmung laufe ich zügig oder ganz langsam. Manchmal brauche ich Bewegung, manchmal Stille. Beides darf sein.

Kreativ sein mit Gips

Langsam und vorsichtig werde ich auch, wenn ich mit Gips gieße und kreativ arbeite.
Die Formen sorgfältig füllen, warten, bis der richtige Moment zum Entformen gekommen ist. Behutsam lösen, damit alles heil bleibt. Und wenn schließlich alles getrocknet ist, darf die Kreativität freien Lauf nehmen.

Diese ruhigen, konzentrierten Tätigkeiten haben etwas Meditatives – sie bringen mich raus aus dem Kopf und rein ins Tun.

Miniauszeiten müssen nicht groß, teuer oder aufwendig sein. Oft sind es die kleinen Dinge, die uns wieder Kraft schenken, wenn wir ihnen bewusst Raum geben.

Welche Auszeiten gönnst du dir im Alltag?

Ich freue mich, wenn du deine Gedanken teilst.

Wenn das Fass überläuft

Es gibt diese Tage, da fühlt es sich an, als würde alles gleichzeitig anklopfen. Nicht nacheinander. Nicht geordnet. Sondern auf einmal. Und das persönliche Fass, das wir alle irgendwie mit uns herumtragen, ist ohnehin schon randvoll. Dann braucht es nur noch einen Tropfen – und zack, es läuft über.

Gerade im Moment zehren viele Dinge an mir. Die Pflege meiner Eltern, Erkrankungen oder Verschlechterungen von Befunden im nahen Umfeld. Und ja – auch mein Ehrenamt. Das wird oft romantisiert, aber Ehrenamt kann fordernd sein. Emotional, zeitlich, mental. Wer Verantwortung übernimmt, trägt sie nicht nur auf dem Papier, sondern oft auch im Herzen.

Und dann ist sie plötzlich da, diese Frage, die sich leise anschleicht und sich doch nicht mehr wegschieben lässt:
Will ich das alles noch?
Was davon ist wirklich meins?

Was kann – oder darf – ich abgeben?

Und die vielleicht unbequemste Frage von allen: Muss ich etwas hinschmeißen?

Als Achtsamkeitstrainerin und aus eigener Erfahrung weiß ich, wie trügerisch Entscheidungen aus einem Moment der Überforderung heraus sein können. Wenn alles zu viel wird, fühlt sich jede Belastung doppelt so schwer an. Deshalb versuche ich, genau dann einen Schritt zurückzutreten. Nicht zu handeln, sondern wahrzunehmen.

Ich atme durch.
Ich schlafe eine Nacht drüber.
Ich erzähle meinen Freundinnen davon.

Und oft passiert dann etwas Entscheidendes: Mit etwas Abstand wird der Blick weiter. Plötzlich zeigt sich, dass nicht alles gleichzeitig gelöst werden muss. Dass manches geregelt, anderes delegiert werden kann. Und dass es Dinge gibt, die zwar laut sind, aber gar nicht in meinem Tanzbereich liegen.

Manchmal reicht das schon.

Doch es gibt auch die anderen Momente. Die, in denen ehrlich hingeschaut werden muss. In denen alles auf den Prüfstand gehört. Und ja – manchmal bedeutet Achtsamkeit auch, sich von etwas zu trennen. Von Aufgaben, von Rollen, von Erwartungen. Egal, ob es anderen passt oder nicht. Denn an erster Stelle sollte immer stehen, dass es mir dabei gut geht.

Keine leichte Erkenntnis. Aber eine wichtige.

Noch ist dieser Punkt für mich nicht gekommen. Noch wiegt ein Dankeschön von Krebsbetroffenen schwerer als ein kurzfristiger Ärger. Noch trägt mich die Wertschätzung für meine Arbeit weiter, als mich die Belastung hinunterzieht. Und dennoch reflektiere ich mich immer wieder ganz bewusst.

Denn der Krebs war auch bei mir kein Zufall. Er hatte etwas mit Stress zu tun. Mit Überlastung. Mit zu wenig Grenzen.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt an diesen Tagen, an denen einem alles über den Kopf zu wachsen droht: Nicht sofort Antworten zu finden, sondern ehrlich zu bleiben. Sich selbst zuzuhören. Und sich immer wieder zu fragen, ob das eigene Leben noch in einem Maß ist, das trägt – oder ob es anfängt zu drücken.

Manchmal läuft das Fass über.
Und manchmal ist genau das das Signal, ein bisschen Ballast abzulassen, bevor noch mehr verloren geht.

Perfektionismus versus eigene Kapazitäten – Wenn der Körper neue Grenzen setzt


Seit meiner Brustkrebserkrankung begleitet mich Fatigue. Ein unsichtbarer, unberechenbarer Gast, der sich nicht an Pläne hält. Früher war ich gefühlt zu 1000 % zuverlässig. Termine einhalten, Aufgaben erledigen, für andere da sein – das war mein Selbstverständnis. Heute passiert es, dass ich „kurz vor der Angst“ absagen muss, Aufgaben nicht schaffe oder mich selbst ausbremse, obwohl ich es besser weiß.

Und dann sitzt er plötzlich neben mir: der Gedanke, unzuverlässig zu sein. Der Gedanke, andere könnten das alles besser. Der Gedanke, nicht mehr die zu sein, die ich einmal war.

Warum ist es so schwer, diese Veränderungen anzunehmen?

Weil Perfektionismus ein alter, treuer Begleiter ist. Er hat uns lange gedient: als Antrieb, als Struktur, als Identität. Wenn der Körper plötzlich andere Kapazitäten hat, gerät dieses innere System ins Wanken. Es fühlt sich an, als würde ein Teil von uns verschwinden.

Doch eigentlich passiert etwas anderes:
Wir müssen lernen, uns neu zu begegnen.

Veränderung anzunehmen bedeutet nicht, aufzugeben. Es bedeutet, die Realität zu würdigen. Und das ist schwer, weil wir gleichzeitig Abschied nehmen müssen – von der früheren Leistungsfähigkeit, von alten Rollen, von Erwartungen, die nicht mehr passen.

Warum stellen wir unser Licht so in den Schatten?

Weil wir gelernt haben, unseren Wert über Leistung zu definieren.
Weil „Ich kann gerade nicht“ sich anfühlt wie ein persönliches Versagen.
Weil wir uns selbst oft härter beurteilen als jeden anderen Menschen.

Und weil Fatigue, Schmerz oder Erschöpfung uns in einen Zustand bringen, in dem Selbstmitgefühl schwerer fällt. Der Körper ist müde, die Seele gleich mit.

Doch das Licht ist nicht weg. Es ist nur anders geworden. Vielleicht weicher. Vielleicht leiser. Aber es ist da.

Was macht das mit mir?

Es macht mich verletzlich.
Es macht mich menschlich.
Es zwingt mich, hinzuschauen.

Und manchmal macht es mich wütend, traurig oder hilflos.
Aber es öffnet auch Räume, die früher keinen Platz hatten:
Räume für Pausen. Für Ehrlichkeit. Für Selbstfürsorge. Für ein neues Verständnis von Stärke.

Als Achtsamkeitstrainerin habe ich viele Werkzeuge, die ich meinen Klient*innen an die Hand gebe. Doch wenn es um mich selbst geht, stelle ich mir gern ein Bein. Das ist kein Widerspruch – das ist menschlich. Wir alle sind Experten für andere und Lernende für uns selbst.

Ein neuer Umgang mit den eigenen Kapazitäten

Vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieser Zeit:

  • Nicht mehr alles zu schaffen, sondern das Richtige.
  • Nicht mehr perfekt zu funktionieren, sondern authentisch zu leben.
  • Nicht mehr über die eigenen Grenzen zu gehen, sondern sie zu ehren.

Fatigue zwingt mich, meine Energie wie ein kostbares Gut zu behandeln. Und vielleicht ist das – bei aller Härte – auch eine Form von Weisheit.

Ein Gedanke zum Schluss

Perfektionismus war lange mein Motor.
Heute ist es meine Menschlichkeit.

Ich lerne, mich mit meinen neuen Kapazitäten zu akzeptieren. Nicht jeden Tag gelingt es. Aber jeder Tag bringt eine Chance, milder mit mir zu sein.

Und vielleicht ist genau das die Art von Zuverlässigkeit, die jetzt zählt:
Die Zuverlässigkeit, mir selbst treu zu bleiben.


Der Achtsamkeitstrainer und die eigene Achtsamkeit


Warum auch wir, die andere begleiten, manchmal stolpern – und was ich mir selbst rate.

Als Achtsamkeitstrainer gebe ich euch hier regelmäßig Impulse mit auf den Weg. Vor einiger Zeit habe ich eine kleine Sonntagsreihe gestartet, in der ich euch mitnehme in meine Welt – in Routinen, Gedanken, Praxis. Ich arbeite vor Ort und online mit Menschen, die neugierig sind, die sich entwickeln wollen, die sich selbst wieder näherkommen möchten.

Viele von euch wissen: Ich engagiere mich seit Jahren in der Frauenselbsthilfe Krebs, helfe privat oft und gern, und bin – wie ich immer scherzhaft sage – ein „beschäftigter Rentner“.
Wäre da nicht die Fatigue, die mich seit der Krebstherapie begleitet. Sie nimmt mir nicht nur körperliche Energie, sondern fordert auch meine Psyche heraus. Und genau hier beginnt das Thema dieses Beitrags.

Was rät der Achtsamkeitstrainer sich selbst?

Die kurze Antwort:
Genau das, was ich auch euch rate – nur muss ich es mir selbst manchmal doppelt so deutlich sagen.

Ich verordne mir regelmäßige Termine bei meiner lieben Kathrin Unger: Massage, Entspannung, Hypnose – alles, was Körper und Geist wieder sortiert.
Ich führe einen Kalender, der Außenstehende in die Verzweiflung treiben würde: digital und analog, mit geblockten Zeiten vor und nach Terminen, mit To‑Dos, die ich abhake, mit kleinen Notizen, die mich daran erinnern, Pausen nicht nur zu planen, sondern auch einzuhalten.

Mein Handy hat verschiedene Fokuszeiten bekommen:

  • damit ich wirklich Mittagspause habe
  • damit ich während der Lymphdrainage nicht angerufen werde
  • damit WhatsApp nicht rund um die Uhr Aufmerksamkeit verlangt

Denn auch ich habe Feierabend. Und Wochenende. Und Grenzen.

Meine kleinen Inseln im Alltag

Ich gehe in den Wald.
Ich lese.
Ich stricke abends bei sanfter Musik oder meinen Lieblingsalben.
Oder ich sitze einfach mit einer Tasse Kaffee da und genieße den Moment, ohne etwas leisten zu müssen.

Das klingt alles wunderbar – und das ist es auch.
Aber: Trotzdem komme ich an meine Grenzen.
Trotzdem stürzt der schön geplante Tag manchmal wie ein Kartenhaus in sich zusammen, weil das Leben eben nicht fragt, ob es gerade passt.

Merkt ihr was?

Auch als Achtsamkeitstrainer bin ich nicht perfekt.
Ich bin nicht immer gelassen, nicht immer achtsam, nicht immer im Flow.
Ich bin ein Mensch – mit Geschichte, mit Herausforderungen, mit guten Tagen und mit solchen, an denen ich mich selbst daran erinnern muss, was ich anderen beibringe.

Und genau das macht mich empathisch.
Ich kenne euren Struggle, weil ich ihn selbst erlebe.
Ich weiß, wie schwer es ist, achtsam zu sein, wenn der Alltag brennt.
Und ich weiß, wie wertvoll es ist, wenn man sich selbst nicht verurteilt, sondern liebevoll an die Hand nimmt.

Mein Impuls für euch

Nehmt den Druck raus.
Ihr müsst nicht perfekt sein.
Ihr müsst nicht jeden Tag meditieren, journalen, atmen, reflektieren, dankbar sein und gleichzeitig alle To‑Dos abhaken.

Jeder findet seine eigene Methode.
Und manchmal ist die achtsamste Entscheidung einfach:
„Heute mache ich nur das, was mir gut tut.“

Wenn ihr das schafft – auch nur für ein paar Minuten – dann seid ihr schon mitten in der Achtsamkeit.


Leben nach Krebs – anders, aber nicht weniger lebenswert


„Leben nach Krebs“ – ein Thema, das man aus vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchten kann. Denn jede*r von uns trägt eine eigene Wahrheit in sich. Und ja: Nach dem Krebs ist das Leben anders. Punkt.

Bei mir bedeutet „anders“ zum Beispiel: ohne Brüste, ohne Eierstöcke, mit 42 Jahren in die Wechseljahre geschleudert und stolze Besitzerin bunter Kompressionsärmel an beiden Armen. Dazu Depressionen, Fatigue und eine Berentung, die ich mir so nie ausgesucht hätte.

Klingt erst einmal düster, oder?

Doch das ist nur die Oberfläche. Die Fakten. Nicht die ganze Geschichte.


Was ich durch den Krebs gelernt habe

Für eine Buchrecherche wurde ich einmal gefragt:
„Was hast du durch den Krebs gelernt?“

Meine spontane Antwort:
„Socken stricken.“

Wir haben herzlich gelacht – denn das war nicht die Art Erkenntnis, die man erwartet. Aber es war eine meiner Wahrheiten. Und es blieb nicht bei den Socken.

Ich habe gelernt:

  • Socken stricken (ja, das bleibt ganz oben)
  • wie stark mein Körper ist
  • wie stark meine Beziehung ist
  • Hilfe einzufordern – und sie anzunehmen
  • was echte Freundschaft bedeutet
  • NEIN zu sagen
  • MeTime nicht nur zu planen, sondern zu leben
  • wie wertvoll mein Ehrenamt in der FSH ist

Ich bin selbstbewusster geworden. Mutiger. Freier.

Ich fahre inzwischen allein mit dem Zug zu Workshops und Kongressen – und bin 2021 sogar ganz entspannt in Fulda an Chris de Burgh vorbeispaziert. Ich gebe zu, ich hab ihn nicht gleich erkannt.
Früher hätte ich mich das nie getraut.


Ich gebe weiter, was ich gelernt habe

Heute begleite ich andere Betroffene, teile meine Erfahrungen, helfe, wo ich kann – und kenne endlich meine Grenzen.
Ich bin Achtsamkeitscoach, psychoonkologische Begleiterin und virtuelle Assistentin. Drei Rollen, die mich erfüllen und gleichzeitig flexibel genug sind, um meine Kräfte zu schützen.

Für die Zukunft habe ich noch einige Kurse im Blick. Dank Fernstudium und Onlineformaten kann ich in Miniportionen lernen – abends, wenn andere schon vor dem Fernseher eingeschlafen sind. Und alles, was ich lerne, hilft nicht nur mir, sondern auch anderen.

Dinge, die ich ohne den Krebs vermutlich nie getan hätte.


Neue Menschen, neue Wege, neues Ich

Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die ich ohne die Erkrankung nie getroffen hätte.
Und ja – Horst (so nenne ich meinen Krebs) hat mit Pauken und Trompeten in meinem Leben aufgeräumt. Anfangs war das schmerzhaft. Ich habe ständig zurückgeschaut, auf das, was nicht mehr möglich war.

Heute schaue ich nach vorn.

Die Vergangenheit kann ich nicht ändern.
Aber mein Leben im Jetzt – das kann ich gestalten.

Ich freue mich über jeden guten Tag.
Die weniger guten nehme ich an.
Sie gehören zu mir.
Sie sind der Preis dafür, dass ich noch hier bin.

Ich genieße kleine Dinge, die Zeit mit meiner Familie, mit Freund*innen – und entdecke mich selbst immer wieder neu.


Das Leben ist schön. Auch mit oder nach Krebs.

Anders, ja.
Aber nicht weniger lebenswert.


Beginn der Fastenzeit – Warum fasten wir eigentlich?

Die Fastenzeit beginnt – und jedes Jahr stellt sich dieselbe Frage:
Warum fasten wir?

Aus religiösen Gründen?
Weil wir uns beweisen wollen, dass es auch ohne geht?
Weil wir uns etwas Gutes tun möchten?
Oder einfach, weil es gerade „in“ ist?

Die Gründe sind so unterschiedlich wie wir Menschen selbst.

Ich für meinen Teil faste ab heute Alkohol.
Nicht, weil ich mir etwas verbieten möchte, sondern weil es für mich mehrere gute Effekte hat:
Meine Leber freut sich.
Vielleicht purzelt ein kleines bisschen Gewicht.
Und Alkohol wird wieder zu etwas Besonderem – nicht zu einem täglichen Begleiter.


Als Weinliebhaberin und Kräuterfreundin gehört ein gutes Glas eigentlich zu meinem Genuss dazu.
Und in den Wochen, in denen die Anforderungen mit meinen Eltern extrem waren, war dieses Glas Wein am Abend mein verdienter Feierabend-Lohn.
Ein Moment von Entspannung.
Ein kurzes Vergessen.

Doch als ehemalige Krebspatientin weiß ich auch:
Förderlich ist das nicht.
Ganz abgesehen von den Kalorien, die Alkohol so still und heimlich mitbringt.

Also: Ab jetzt ohne.
Nicht aus Strenge, sondern aus Fürsorge.
Ich glaube, es wird mir nicht schwerfallen.
Ich weiß, dass es mir guttut.
Und vielleicht normalisiert sich sogar der ein oder andere Laborwert.

Andere verzichten in dieser Zeit auf Social Media, aufs Handy, auf Fleisch – oder sie fasten gar nicht.
Alles ist richtig, solange du dich damit wohlfühlst.
Fasten ist keine Pflicht, kein Wettbewerb, kein moralischer Maßstab.
Es ist eine Einladung, bewusster zu leben.
Nicht mehr und nicht weniger.

Und jetzt bin ich neugierig:
Fastest du?
Und wenn ja – worauf verzichtest du in dieser Zeit?

Zu Hause – wo es am schönsten ist

Mutti ist wieder zu Hause.
Endlich!

Zehn Wochen Krankenhaus und Kurzzeitpflege liegen hinter uns.
Zehn Wochen, in denen es tageweise auf Messers Schneide stand.
Zehn Wochen voller Sorgen, Hoffen, Bangen.
Und gleichzeitig zehn Wochen, in denen wir eine ganz besondere Mutter-Tochter-Zeit erlebt haben — intensiv, nah, kostbar.

Jetzt ist sie wieder da, in ihren eigenen vier Wänden.

Mit ihrem vertrauten Kühlschrank, der immer ein bisschen zu gut gefüllt ist.

Mit ihrem Zuhause-Geruch, den kein Krankenhaus der Welt ersetzen kann.

Mit ihrem Mann, mit uns und mit dem Nachbarskater – einfach mit uns.

Mit ihrem Bett — na ja, fast. Denn nun steht dort ein Pflegebett, das uns daran erinnert, dass sich etwas verändert hat.

Denn „zu Hause“ ist jetzt anders.
Es ist ein Zuhause mit Hilfsmitteln, mit neuen Abläufen, mit Routinen, die wir erst finden müssen.
Ein Zuhause, das uns herausfordert und gleichzeitig trägt.

Für meinen Papa bedeutet es, gemeinsam einen neuen Rhythmus zu entwickeln. Den Alltag neu zu sortieren.
Manches anzupassen, anderes loszulassen.
Und trotzdem immer wieder zu spüren: Wir schaffen das. Zusammen als Familie!

Trotz aller Veränderungen bleibt eines unverrückbar:
Zu Hause ist zu Hause.

Und genau darüber sind wir gerade unendlich glücklich und dankbar.