Wenn die Welt schwerer wird – und das Herz mit


Die letzten Wochen waren anstrengend. Nicht laut, nicht spektakulär. Sondern dieses stille, innere Anstrengend, das sich in die Knochen setzt.
Zwei Todesfälle im näheren Umfeld. Nachrichten, dass liebe Menschen ihren letzten Weg antreten – ins Hospiz, in die Palliativbetreuung. Worte, die man liest und die sofort tiefer sinken, als man es zugeben möchte.

Es berührt mich in vielen Schichten. Seelisch. Herzmäßig.

Und ja – es macht mir auch Angst.

Ich bin im achten Jahr nach der Diagnose, im siebten Jahr krebsfrei.
Und gerade in solchen Momenten frage ich mich:

Werde ich weiterhin von Schutzengeln begleitet?
Von guten Mächten, die mich tragen?

Oder ist das alles nur eine fragile Illusion, die jederzeit reißen kann?

Mein Körper antwortet schneller als mein Kopf. Madame Fatigue packt das große Besteck aus: Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schwindel. Als würde mein System sagen: „Das ist zu viel. Zu nah. Zu vertraut.“

Und natürlich könnte ich es mir leichter machen. Ich müsste ja „nur“ mein Ehrenamt niederlegen. Die Krebsaccounts aus meinem Feed werfen. Mich aus der Krebsbubble verabschieden. Abstand schaffen. Türen schließen.

Aber will ich das?

Ich glaube nicht.

Denn ich sehe es als meine Aufgabe, Mut zu machen. Aufzuklären. Geschichten zu erzählen, die sonst im Stillen verhallen würden. Menschen zu begleiten, die gerade durch ihre dunkelsten Stunden gehen. Ihnen eine Stimme zu geben, wenn sie selbst keine Kraft mehr haben.

Und wenn das Opfer dafür meine Fatigue ist – dann bringe ich es. Nicht leichtfertig. Nicht heroisch. Sondern bewusst.

Weil es eben nicht „nur“ Brustkrebs ist. Weil es eben nicht wieder „alles gut“ ist, sobald die Therapie endet. Weil die Nachsorgejahre nicht einfach ein Bonuslevel sind, sondern ein eigenes Terrain – voller Fragen, Trigger, Schatten und gleichzeitig voller neuer Klarheit.

Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern um sichtbar zu machen, was oft unsichtbar bleibt. Um zu sagen: Auch Jahre später kann die Angst noch leise mitgehen. Auch Jahre später kann der Körper reagieren, wenn das Leben uns an unsere Verletzlichkeit erinnert.

Aber ich schreibe es auch, weil ich weiß: In all dem liegt eine Form von Stärke. Eine, die nicht laut ist.
Eine, die nicht glänzt.

Eine, die sich zeigt, wenn wir trotz Müdigkeit weitergeben, was uns selbst einmal gefehlt hat.

Vielleicht ist das mein Weg. Vielleicht ist das meine Art, Sinn zu finden in all dem, was war.

Und vielleicht ist es genau das, was mich – trotz allem – weitergehen lässt.


Leben nach Krebs – anders, aber nicht weniger lebenswert


„Leben nach Krebs“ – ein Thema, das man aus vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchten kann. Denn jede*r von uns trägt eine eigene Wahrheit in sich. Und ja: Nach dem Krebs ist das Leben anders. Punkt.

Bei mir bedeutet „anders“ zum Beispiel: ohne Brüste, ohne Eierstöcke, mit 42 Jahren in die Wechseljahre geschleudert und stolze Besitzerin bunter Kompressionsärmel an beiden Armen. Dazu Depressionen, Fatigue und eine Berentung, die ich mir so nie ausgesucht hätte.

Klingt erst einmal düster, oder?

Doch das ist nur die Oberfläche. Die Fakten. Nicht die ganze Geschichte.


Was ich durch den Krebs gelernt habe

Für eine Buchrecherche wurde ich einmal gefragt:
„Was hast du durch den Krebs gelernt?“

Meine spontane Antwort:
„Socken stricken.“

Wir haben herzlich gelacht – denn das war nicht die Art Erkenntnis, die man erwartet. Aber es war eine meiner Wahrheiten. Und es blieb nicht bei den Socken.

Ich habe gelernt:

  • Socken stricken (ja, das bleibt ganz oben)
  • wie stark mein Körper ist
  • wie stark meine Beziehung ist
  • Hilfe einzufordern – und sie anzunehmen
  • was echte Freundschaft bedeutet
  • NEIN zu sagen
  • MeTime nicht nur zu planen, sondern zu leben
  • wie wertvoll mein Ehrenamt in der FSH ist

Ich bin selbstbewusster geworden. Mutiger. Freier.

Ich fahre inzwischen allein mit dem Zug zu Workshops und Kongressen – und bin 2021 sogar ganz entspannt in Fulda an Chris de Burgh vorbeispaziert. Ich gebe zu, ich hab ihn nicht gleich erkannt.
Früher hätte ich mich das nie getraut.


Ich gebe weiter, was ich gelernt habe

Heute begleite ich andere Betroffene, teile meine Erfahrungen, helfe, wo ich kann – und kenne endlich meine Grenzen.
Ich bin Achtsamkeitscoach, psychoonkologische Begleiterin und virtuelle Assistentin. Drei Rollen, die mich erfüllen und gleichzeitig flexibel genug sind, um meine Kräfte zu schützen.

Für die Zukunft habe ich noch einige Kurse im Blick. Dank Fernstudium und Onlineformaten kann ich in Miniportionen lernen – abends, wenn andere schon vor dem Fernseher eingeschlafen sind. Und alles, was ich lerne, hilft nicht nur mir, sondern auch anderen.

Dinge, die ich ohne den Krebs vermutlich nie getan hätte.


Neue Menschen, neue Wege, neues Ich

Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die ich ohne die Erkrankung nie getroffen hätte.
Und ja – Horst (so nenne ich meinen Krebs) hat mit Pauken und Trompeten in meinem Leben aufgeräumt. Anfangs war das schmerzhaft. Ich habe ständig zurückgeschaut, auf das, was nicht mehr möglich war.

Heute schaue ich nach vorn.

Die Vergangenheit kann ich nicht ändern.
Aber mein Leben im Jetzt – das kann ich gestalten.

Ich freue mich über jeden guten Tag.
Die weniger guten nehme ich an.
Sie gehören zu mir.
Sie sind der Preis dafür, dass ich noch hier bin.

Ich genieße kleine Dinge, die Zeit mit meiner Familie, mit Freund*innen – und entdecke mich selbst immer wieder neu.


Das Leben ist schön. Auch mit oder nach Krebs.

Anders, ja.
Aber nicht weniger lebenswert.


Wenn Pflege zur Belastung wird

Ich pflege meine Eltern.


Ich tue das aus Liebe, aus Verbundenheit und aus dem Wunsch heraus, für die Menschen da zu sein, die mich ein Leben lang begleitet haben.

Doch selbst diese tiefe Zuneigung schützt mich nicht davor, dass Pflege manchmal zu einer Belastung wird.

Manchmal schleicht sich die Erschöpfung leise in meinen Alltag: unruhige Nächte, Fahrigkeit, Vergesslichkeit, ein ständiges Gefühl von Verantwortung, das kaum noch Pausen zulässt.

Und manchmal trifft es mich plötzlich — dieser Moment, in dem ich spüre, dass meine Kräfte nicht unendlich sind.

Und das alles zu meinem schon bestehendem Fatigue Syndrom!

Ich trage viel: körperlich, emotional, organisatorisch.
Ich jongliere Termine, Medikamente, Sorgen, Erwartungen.
Ich halte aus, tröste, entscheide, begleite. Ich sehe und erfahre Dinge über meine Eltern, die bisher verborgen waren.


Oft tue ich das im Stillen, ohne große Worte, ohne Anerkennung, ohne Raum für meine eigene Verletzlichkeit.

Oft plagt mich auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nicht so funktioniere.

Doch Überlastung ist kein Zeichen von Schwäche.


Sie ist ein Signal!


Ein Hinweis darauf, dass ich nicht allein tragen muss, was eigentlich für mehrere Schultern gedacht ist.

Entlastung kann viele Formen haben: – ein Gespräch, in dem ich ernst genommen werde

– jemand, der mir den Besuch im Pflegeheim abnimmt

– ein Pflegedienst, der Aufgaben übernimmt

-Haushaltshilfe

– ein Ort, an dem ich sagen darf: „Ich kann gerade nicht mehr.“


Und genau dieser Satz verdient Respekt — nicht Rechtfertigung.

Ich brauche Pausen, Unterstützung und Mitgefühl, denn ich bin nicht nur pflegende sondern selbst auch erkrankte Tochter.


Gute Pflege entsteht nicht nur aus Fürsorge für andere, sondern auch aus Fürsorge für mich selbst.

Weihnachten im Pflegeheim

Herr M hat Puderzucker vom Stollen auf seinem Pullover und findet er sei eben ein süßer Junge.

Zwei Herren diskutieren ob der Rehbraten, den es morgen geben soll, eins von den Tierchen ist, die hier im hauseigenen Wald unterwegs sind und sich manchmal zeigen.

Auf dem Gang ruft Renate „aus dem Weg, Bahne frei“ und sitzt mit einem Helm gegen Kopfverletzungen in einem Pflegestuhl.

Vom Radio tönt Weihnachtsmusik und irgendwer schaut in Konzertlautstärke drei Hasselnüsse für Aschenbrödel.

In der Sitzecke liest jemand zwei älteren Pärchen die Weihnachtsgeschichte vor und auf dem Gemeinschaftstoilette sitzt wer bei offener Tür auf dem Klo.

Dazwischen das Pflegepersonal lieb, freundlich und fürsorglich, immer mit einem lieben Wort auf den Lippen.

Unterbesetzt wegen Krankheit!Trotzdem wird der angehenden Pflegehelferin ausführlich der Wechsel und die Versorgung des Stomas meiner Mutter erläutert.

Ich beobachte das und bin ein wenig schockiert, meiner Mama zu all dem geraten zu haben, aber es geht einfach noch nicht zu Hause. Soweit ist sie einfach noch nicht.

Derweil sitzt sie im Bett und sagt „häuslich richte ich mich aber nicht ein, ich will ja wieder heim“ und tatsächlich hat sie innerhalb eines Tages weitere Fortschritte zum Thema Mobilität und Selbstständigkeit gemacht.

Ich bewundere zutiefst alle, die tagtäglich mit viel Herz in der Pflege arbeiten.
DANKE ♥️

Weihnachten #pflegeheim #pflegealltag #pflegemitherz

Dankbarkeit

Heute ist der 4. Advent

Ein komischer Advent in unserer Familie dieses Jahr.
Meine Mama liegt seit 18.11. im Krankenhaus, hat eine komplizierte Sigmadivertikulitis mit geplatztem Dickdarm auf etwa 10cm Länge und Bauchfellentzündung nur knapp überlebt.

Mutti macht inzwischen Fortschritte, wechselt am 23.12. in die Kurzzeitpflege und soll Ende Januar wieder nach Hause kommen.
Da gibt es noch viel zu tun und zu regeln für mich.

UND um meinen am Freitag 90 gewordenen Papa muss ich mich auch kümmern.

Hier steht deshalb nur die Hälfte an Deko, einen Weihnachtsmarkt hab ich dieses Jahr nicht besucht, keine Weihnachtsfeier oder Ähnliches.
Stattdessen abends ein Glühwein, ein bisschen Musik und Strickzeug zum runterkommen, wenn dann endlich auch die Bürokratie erledigt war.
Ein Baum – weiß ich noch nicht.

Und das bei mir Weihnachtskind!

Ich habe es tatsächlich geschafft ein paar Wichtelpäckchen zu verschicken, bei Post mit Herz mitzumachen und den engsten Kreis mit Weihnachtspost zu beglücken.

Was ich diesen Advent erfahren habe ist DANKBARKEIT.

Dankbar für unser persönliches Weihnachtswunder.


Dankbar für die Möglichkeiten der modernen Medizin.

Dankbar für die Hilfe, die uns zuteil wurde.

Dankbar für Freundschaft, die nicht viel fragt, sondern einfach da ist.

Dankbar für freundliches und fürsorgliches Pflegepersonal trotz Personalmangel und Stress.

Dieses Jahr ist der Advent nicht komisch, er ist besonders, weil er uns gezeigt hat, was wirklich zählt.

#advent #weihnachten #dankbarkeit #familie #freundschaft

Krebsfreundschaften

Neulich habe ich gelesen:

Ohne den Krebs, hätte ich viele liebe Menschen nicht kennengelernt.

Wohl wahr!

Ab Diagnose bis jetzt 7 Jahre danach, habe ich viele liebe Menschen kennengelernt, die ich ohne dieses Setting nicht getroffen hätte.

Wie so Vieles, was ich ohne den Krebs nie gewagt, erlebt oder erfahren hätte.

Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die durch ihre Diagnose alle im selben Boot sitzen. Manch einer nur als Passagier, manch einer am Ruder, ein paar leider auch am Ausstieg. Alle teilen das gleiche Schicksal, keiner hat es sich ausgesucht oder gewünscht, alle müssen wir da durch.

Krebsfreundschaften sind etwas besonderes, oft kostbar und manchmal leider zeitlich begrenzt. In dem Wissen pflegen wir sie und es sind uns oft Mühen oder Kilometer unwichtig, wenn es gilt füreinander da zu sein.

Deswegen war ich heute in Chemnitz, um Francesca zu treffen, die ihrerseits zum Abschied im Hospiz eine Freundin besucht hat.

Francesca ist meine Kämpferin, den Brustkrebs überwunden, stellt sie sich zum zweiten Mal einem Sarkom und obwohl sie gerade wieder in Therapie ist, fährt sie ihre Freundin besuchen. Da konnte ich nicht nein sagen, als sie fragte ob wir uns treffen. Auch, weil ich sie ein bisschen auffangen möchte nachdem sie bei ihrer Freundin war.

Auch wenn ich euch allen solch bedingungslosen und engen Freundschaften von Herzen wünsche, so möchte ich, dass es keine Krebsfreundschaften sind.

Es ist Brustkrebs Monat!

Informiert euch!

Nehmt die Vorsorgeangebote der Krankenkassen war.

Tastet euch ab!

Krebs macht keine Unterschiede!

Krebs kann jeden treffen!

Krebs bestimmt nicht mein Leben!!!

Oft bedanken sich Follower, Leser, Freunde für meine Beiträge, weil das Arbeit für mich ist und Zeit, Nachdenken und Recherche erfordert .


Es ist eine Arbeit, die ich gerne mache und die ich als meine Berufung ansehe.


Zu viele Geschichten, Gerüchte, Unwissen und Unsicherheit sind noch zum Thema Krebs in den Köpfen.
Ich möchte informieren, ermutigen, Ängste nehmen, Erfahrungen teilen und Tipps geben.


Und es ist auch eine Art Verarbeitung für mich.
Recherchen erfordert es nicht immer. Meist kommt mir eine Idee spontan und wird zum Text oder ich bekomme den Anstoß durch Antworten oder was ich selbst so im Netz lese.

Manche bewundern auch, dass ich mich nach überstandener Erkrankung trotzdem in der Krebs Bubble bewege und quasi immer damit beschäftige.


Horst war Teil meines Lebens 2018 und 2019, jetzt ist er tot, von uns gegangen, fachgerecht entsorgt oder er guckt irgendwo in der Pathologie doof aus dem Glas.


Natürlich denke ich darüber nach, wenn ich zur Kontrolle bin oder auch bei manchen Beiträgen, aber nie so das das Thema alles bestimmt.

Natürlich habe ich Angst vor Rezidiven, ganz neuer Erkrankung und schlechter Prognose.

ABER:

Krebs bestimmt nicht mein Leben!!!

Höchstens Teile meines Terminplanes und die meiste Behördenpost. Obwohl da sind es auch die Nebenwirkungen und Nachwirkungen und nicht der Krebs selbst.

So habe ich das auch schon während der Therapie gehalten.


Claudia Altmann-Pospischek beschreibt es so: „der Krebs ist auf meiner Lebensfahrt mein Beifahrer, mehr nicht.“

Bei mir sind jetzt die körperlichen und seelischen Gegebenheiten meine Beifahrer, mein Schatten. Sie gehören dazu, haben aber nicht die Oberhand.
Die meisten Frauen tragen ganz selbstverständlich BH, ich halt Thoraxbandage und Kompressionsstrumpf. Farbe aussuchen, anziehen, nich mehr drüber nach gedacht.

Viele Menschen, die ich kenne, gehen arbeiten, sind selbstständig – mein Job ist, wenn man so will, mein Ehrenamt und Engagement.

Noch viel wichtiger ist mir, meine Tage gut zu füllen mit schönen Kleinigkeiten, Erlebnissen, Ergebnissen, Begegnungen und so weiter.
Dazu gehören mein Ehrenamt, mein Blog hier, neues Wissen erlernen, mein Garten, Freunde, Reisen und vieles mehr.
Keine Last, mir macht das Spaß.

Zugegeben auch ich habe trübe Gedanken oder mal einen schlechten Tag, das kommt vor.
Aber ich gebe mir Mühe, diesen Tagen ihre Berechtigung zu geben, aber nicht übermäßig viel Raum.

Deswegen Rat von mir:

Gebt euren Tagen mehr Leben, mehr Freude, mehr Genuss.


Was morgen ist weiß keiner, also vertagt und verschiebt nicht so viel.


Das Leben ist schön, egal ob man gesund oder krank ist!

Loslassen, um zu heilen

Vor ein paar Tagen habe ich in einem Anflug von Ordnungsliebe meine Ordner im Büro ausgemistet.

Da waren alte Bescheinigungen von der Krankenkasse, kopierte, längst bewilligte Anträge und vieles mehr.

Dann fiel mir der Ordner mit meinen alten Lohnstreifen, den Arbeitsverträgen und dem Arbeitszeugnis in die Hand. Längst abgeschlossen, so rein bürokratisch.

Aber im Kopf und in der Seele?

Ich habe lange dafür benötigt, zu aktzeptieren, dass ich nicht mehr regulär werde arbeiten können. Mein Beruf war mein Leben, ich war mit Leib und Seele Arzthelferin, gern für Patienten da. Das war mit dem Lymphoedem auf einmal weg.

Die Akzeptanz und der Kampf um die Rente waren das Eine, das Ausscheiden aus der Praxis, der menschliche Umgang das Andere.

Es tut weh, nach 23 Jahren aus der Praxis auszuscheiden, wenn so zwischen Tür und Angel mal eben noch ein Aufhebungsvertrag gemacht wird, wenn man bei einem gewöhnlichen Besuch in der Praxis nebenbei aufgefordert wird, den Schlüssel abzugeben.

In meiner damaligen reaktiven Depression, habe ich entsprechend reagiert, war verletzt, wütend, enttäuscht, traurig.

Mit Corona reduzierte sich der Kontakt zur Praxis weiter, nur noch wenn nötig in die Räume, eine gut gemeinte Vorsichtsmaßnahme. Also kam ich nicht mehr zum Frühstück oder auf einen Kaffee vorbei, nur noch telefonisch oder mit den Kollegen per WhatsApp.

Schon im nächsten Jahr wurde die Praxis zum Jahresende geschlossen, der Kontakt riss entgültig ab. Ich fragte mich lang, was bloß passiert sei, ob es an mir lag, ob mein Alltag nicht zu dem der Anderen passte, ob ich mich so verändert hatte oder oder oder. Menschlich enttäuscht war ich, wütend, sauer und hinterfragte meine 23 Jahre in der Praxis.

Mit den Lohnstreifen kam die Erinnerung daran wieder.

Wohlwollend und mit dem Gefühl, dass es wirklich an der Zeit ist, auch diesen bürokratischen Teil abzulegen.

Ich habe mit Hilfe meiner Therapeutin in vielen Gesprächen gelernt, dass mein Leben tatsächlich nicht mehr zu dem der Kollegen passt. Das es nicht an mir liegt, sondern der Lauf der Dinge ist, Entwicklung in gegensätzliche Richtungen und vielleicht auch das Unvermögen beider Seiten miteinander umzugehen.

Inzwischen weiß ich, als Arzthelferin möchte ich gar nicht mehr arbeiten!

Zu viel Bürokratie, Unmut von Patienten und Chefs, Anforderungen von oben. Nicht mehr das was ich an meinem Beruf so geliebt habe. Was ich aber im Ehrenamt und bei der Betreuung meiner Coachies tun kann, mir Zeit nehmen, da sein, Hände halten, zuhören und mit Menschen arbeiten, die zu mir passen und in dem Pensum, dass zu mir passt.

Ich habe die Zeit in der Praxis losgelassen. Sie gehört zu meinem Lebensbuch, ist aber ein längst abgeschlossenes Kapitel aus Leben 1.0

Ich bin im Leben 2.0 angekommen, mit meinem Wissen aus der Praxis, mit meinen Erfahrungen als Arzthelferin UND als Patientin, quasi beide Enden der Nadel und der Gewissheit, dass es Zeit für etwas Neues war.

Auf den ollen Horst hätte ich dabei verzichten können, aber das ist nun mal so gewesen und hat mich zu der gemacht, die ich heute bin.

Und so wandert Lohnstreifen für Lohnstreifen durch den Schredder, das Arbeitszeugnis liest sich freundlicher und ich bin im Reinen mit der Zeit.

Warum ich dir das alles aufgeschrieben habe?

Um dir zu zeigen, dass auch bei mir nicht alles Eitel Sonnenschein ist und um dir den Impuls zu geben, ob du nicht auch Dinge loslassen kannst.

Mehr dazu am kommenden Sonntag.

 

Momente dazwischen – Geschichten vom Ende des Weges

Mich hat das Buch erreicht, als ich gerade um meine Freundin Beate trauerte und es auch noch tue. Ich habe das Buch an einem Abend fertig gelesen. Es hat mich quasi hineingezogen.

In 10 Geschichten beschreibt meine Freundin Antje Mögling, tätig als Psychologin auf der Palliativstation, Wege der letzten Wochen und Tage, was die Menschen denken, über was sie sprechen und was am Ende bleibt.

Die Idee mit dem Licht als etwas das von jedem der beschriebenen Menschen bleibt, ist wunderschön.

Von jedem von uns bleibt etwas und für jeden Hinterbliebenen etwas anderes, eigenes, individuelles. Für einen der Regenbogen, für andere vielleicht die Kirsche auf der Torte.

Das Leben hat viele Facetten, viele Möglichkeiten gelebt zu werden.
Es ist immer individuell und andere müssen es nicht verstehen. Und so individuell das Leben ist, so individuell ist auch das Sterben und das was bleibt.

Ich danke Antje, dass ich mich zu den Erstlesern zählen darf und über das Buch auch Einblicke zu ihr gewonnen habe. Es sind Geschichten aus verschiedene Phasen ihrer Tätigkeit als Psychologin und auch aus verschiedenen Phasen ihres Lebens. 

Mutig sich so zu zeigen, eben die Antje die ich kenne, die ihren Weg geht.

Das Buch erhaltet ihr aktuell nur über Amazon.

 

Und Beate?

Ich habe meinen Balkon bepflanzt zwei Tage nach ihrem Tod und damit das getan, was sie sich bei unserem letzten Treffen gewünscht hat.

Das Leben genießen, den Kopf nicht in den Sand stecken und vor allem weiter machen, nicht stehen bleiben. 

Beate ist mein warmes, umarmendes Licht, so wie sie war – warmherzig und liebenswert.

 

 

Warum ich manchmal nichts blogge?

Da ich ja schon geraume Zeit am Bloggen bin, hab ich die Frage mal für euch beantwortet.

Manchmal fällt mir nix ein oder ich habe ein Thema, aber der Text und ich wollen einfach nicht zusammen.

Manchmal erlaubt es mein Fatigue/Depression ect. nicht.

Manchmal beschäftigen mich Dinge, die nicht in Worte zu fassen sind oder die ich (noch) nicht bereit bin an die Öffentlichkeit zu lassen.

Manchmal vergesse ich es vor lauter Leben einfach.

Deswegen poste ich auch keine bestimmte Anzahl an Beiträgen pro Woche oder Monat und bereite eher wenig vor.

Das meiste kommt flüssig aus der Hand äh dem Hirn.
Wenn ich muss, liest es sich auch oft so.

Selbst meine regelmäßigen Posts fallen dann manchmal aus, so wie die letzten beiden Wochenenden.

Eine Form von Achtsamkeit wie ich finde.

Nicht, dass ihr euch wundert.