🌈 Francesca 🌈

Es gibt Momente, da bleibt die Welt für einen Wimpernschlag stehen.
Wenn sie sich dann weiterdreht, ist nichts mehr wie vorher.

Ich dachte, ich hätte noch viel Zeit für diese Zeilen.
Wir dachten, wir sehen uns noch mindestens einmal.
Wir dachten, wir fachsimpeln weiter über Badewannenlifte, Bademeister und Alltägliches.

Wir haben nicht bedacht, dass das Schicksal ohne uns alle geplant hat.

Unerwartet und wohl für dich am „besten“ bist du gegangen, in einer Phase in der das Leben zu genießen deine wichtigste Aufgabe war.

Liebe Francesca,
unser Kennenlernen war wie unsere Freundschaft und auch unsere Krebsgeschichte.

Ich treffe dich beim Schön&stark Event von Franziska Günther-Güldenpfennig auf einer Schaukel sitzend, in einem wunderschönen Rockabilliekleid, die Lippen knallrot, aber das Selfie will einfach nicht gelingen. Eher stürzt du von der Schaukel.
Ich fotografiere dich auf der Schaukel, an einem Tisch und sofort ist die Verbindung da.

Über die Jahre unserer Freundschaft tun sich merkwürdige Gemeinsamkeiten auf.

  • Extrawürste in der Therapie
  • die Männer arbeiten beide beim gelben Riesen
  • Hobbies, Interessen, ….

Nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft, die sich durch das blöde Sarkom weiter intensiviert.
Ein Sarkom, so ein beschissener Rotz, leg dich nicht mit Francesca an!

Aus gelegentlichen Gesprächen wird täglicher Kontakt. Wir tauschen uns aus, eine ist für die andere da, egal was ist. Jede ist die große Schwester der anderen, die Schulter zum anlehnen und für jeden Blödsinn zu haben.

Ich bin da als die unheilbar Diagnose kommt, als du deine Freundin in Chemnitz im Hospiz besuchst und bald die Nächste in Bad Sarow auf den letzten Metern begleitest.
Ich begleite dich aus der Ferne bei Chemo, im Zelltief, zur Bestrahlung, bewundere Blutwerte und genieße deine Fotos vom See.
Du bist da als meine Mutter schwer erkrankt und fast stirbt, wir trauern gemeinsam um Simone und du wäschst mir nicht nur einmal den Kopf, weil ich mir zu viel zugemutet habe.
Wir sind wie Topf und Deckel.

Die ganze wilde Reise, so hast du es genannt, bin ich seit deinem ersten Event bei Franzi dabei.
Ich merke, wenn alles gut ist und ich merke, wenn du etwas zu verdauen hast, was uns allen nicht schmecken wird. Dann nerve ich nicht, ich warte bis du mich als Eine aus dem engeren Kreis zuerst informierst. Mein Bauchgefühl oder etwas zwischen deinen täglichen Zeilen täuschen nie.

Legendär die Sache mit der verpeilten Unterkunft diesen Sommer zum Shooting und die Erkenntnis unter mächtig Gelächter, dass das nur wir zwei verrückten kleinen Weiber hinbekommen konnten.
Und wir hatten wahrscheinlich gerade deswegen die beste Zeit ever, nicht ahnend, dass es unser letztes Treffen sein würde.

Als die Nachricht kommt, dass du austherapiert bist, verfluche ich mein Bauchgefühl, das Schicksal und das Universum auf gleiche Weise.
Du bist klar, tapfer und gefasst, klärst alles, genießt dein Leben und schreibst, dass du ein gutes Leben hattest und deine Aufgabe wohl erfüllt sei.
Du tröstest mich!!!
Verkehrte Welt.

Du feierst deinen Geburtstag, ich bin in Schweden. „Nicht schlimm, holen wir nach“ schreibst du.
Wir wollten uns am 6.9. treffen, aber ich breche mir am 4.9. in Schweden mein Handgelenk blöd.
„das Gras ist immer schuld“ hast du geschrieben, wir vertagen das Treffen, meine Hand muss operiert werden.

Jetzt bist du leise gegangen.
Einfach so.
Nicht in der Klinik, nicht über Wochen hinweg – nein so wie du es gewollt hast und ohne jemanden zur Last zu fallen, ohne die Abschiede und die Trauer deiner Lieben täglich sehen zu müssen – Francesca Style eben.

Ich und viele andere werden dich als Kämpferin, als Sonnenschein und als liebenswerten Menschen in Erinnerung und unseren Herzen behalten.
Als Vorbild nie aufzugeben und dem Leben immer wieder gute Dinge abzutrotzen.

In meiner Vorstellung sitzt du wieder auf der Schaukel unter dem Baum, trägst dein Kleid und die knallroten Lippen und du lachst befreit, im Hintergrund spielen die Onkelz.
An der Seite deine Boxhandschuhe, die du zückst, wenn dir was gegen den Strich geht.

Mach’s gut Lieblingsmensch 💔