Nicht, weil nichts passiert ist – ganz im Gegenteil. Das Leben, das Ehrenamt und meine Familie hatten mich fest im Griff.
Der Juni ist einfach immer voll. Voller Termine, voller Begegnungen, voller Highlights.
Gleich zu Beginn stand die Landestagung des Landesverbandes Sachsen e.V. der Frauenselbsthilfe Krebs an – inklusive 35-jährigem Jubiläum. Wohlfühltag mit der Vogtlandklinik Bad Elster, Modenschau für LaMesma, Wahlen… Vier intensive, erfüllende Tage.
Vom 10. bis 13. Juni war ich dann in München beim Senologie-Kongress unterwegs. Ich durfte die Frauenselbsthilfe Krebs vertreten und am Samstag sogar selbst sprechen – auf einem Symposium über Best Practice zwischen Rehaklinik und Selbsthilfe.
Kongresse sind immer ein bisschen alles auf einmal: Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, neue Kontakte knüpfen, Inspiration tanken – und gleichzeitig die eigenen Akkus ganz schön strapazieren. Pausen sind da kein Luxus, sondern Pflicht.
Das absolute Highlight im ersten Halbjahr war aber ganz klar das schön&stark-Fotoevent. Nach einem Jahr Pause endlich wieder da.
Frauen, die von Krebs betroffen sind, im schwarzen Schlüppi vor der Kamera. Begegnungen, Gespräche, neue Erfahrungen – und nicht selten der Anfang von echten Freundschaften.
Zu den einzelnen Highlights folgen übrigens noch separate Posts – da nehme ich euch nochmal ausführlicher mit.
Jetzt heißt es: durchatmen. Zumindest so gut, wie es der Pflegealltag zulässt.
Ein bisschen Garten, ein bisschen Schreiben, neue Ideen spinnen, Kooperationen anstoßen, Urlaub in Schweden planen – und vor allem: Sommer genießen.
8 Jahre, in denen ich mich nicht nur mit meinem Körper, sondern auch mit Formularen, Anträgen und so manchem Ärger mit Ämtern auseinandersetzen musste.
Aber diese 8 Jahre sind so viel mehr als das.
Sie sind 8 Jahre Leben. 8 Jahre Liebe.
8 Jahre voller neuer Wege, neuer Perspektiven und Aufgaben, die ich mir früher nie hätte vorstellen können.
8 Jahre, in denen ich gewachsen bin – manchmal gezwungenermaßen, aber oft auch aus eigener Kraft.
Ich habe gelernt, was wirklich zählt. Ich habe gelernt, auf mich zu hören. Und ich habe erlebt, wie viel Stärke in mir steckt – selbst an Tagen, an denen ich dachte, ich hätte keine mehr.
Heute blicke ich zurück – nicht nur auf das, was schwer war, sondern vor allem auf das, was mich getragen hat: Menschen, die an meiner Seite waren. Momente, die mich haben lächeln lassen.
Und die Möglichkeit, etwas zurückzugeben – im Ehrenamt, im Miteinander, im Leben.
Langzeitüberleben bedeutet oft, dass einige Therapien weitergeführt werden müssen.
Ich zum Beispiel muss wegen meines Lymphoedems zweimal wöchentlich zur Lymphdrainage bei meiner lieben Manuela Sanne. Es bedeutet bei mir Kompressionsversorgung tragen und Selbstmanagement und das ein Leben lang.
Einige müssen weiterhin Medikamente nehmen, um den Therapieerfolg zu erhalten, um Nebenwirkungen oder Spätfolgen zu mindern. Auch das gehört zum Langzeitüberleben.
Krebs spielt zum Glück nicht täglich die große Rolle, aber manchmal gibt er sich einen Auftritt auf großer Bühne – Rezidiv Angst, Angst vor Neuerkrankung, alte Gefühle kommen wieder hoch, wenn die Nachsorge ansteht. Auch das ist Langzeitüberleben.
Aber Langzeitüberleben ist vor allem, das Leben leben, das Leben lieben, die kleinen Dinge wertzuschätzen und in meinem Fall Erfahrungen und Wissen weitergeben.
„Nach der Therapie ist doch alles wieder gut“ – oder etwa nicht?
„Du siehst doch wieder gut aus.“
„Jetzt ist ja alles überstanden, oder?“
„Dann kannst du ja wieder ganz normal weitermachen.“
Sätze wie diese sind oft liebevoll gemeint, doch leider treffen sie viele Betroffene mitten ins Herz. Denn sie spiegeln eine Erwartung wider, die mit der Realität wenig zu tun hat: die Vorstellung, dass nach einer Therapie alles wieder so ist wie vorher.
Aber genau das stimmt oft nicht.
Das Unsichtbare hinter dem „wieder gesund“
Nach einer schweren Diagnose und Therapie, egal ob Krebs oder andere schwere Erkrankungen, beginnt eine Phase, über die kaum gesprochen wird. Nach außen wirkt vieles abgeschlossen: Die Behandlung ist beendet, die Haare wachsen wieder nach, der Körper scheint sich zu erholen.
Doch im Inneren sieht es häufig ganz anders aus.
Viele Betroffene kämpfen noch lange mit:
Erschöpfung, die sich nicht einfach „wegschlafen“ lässt
Körperlichen Einschränkungen, die vorher nicht da waren
Angst vor Rückfällen
Verunsicherung, wer man eigentlich jetzt ist
Konzentrationsproblemen oder Gedächtnislücken
ein verändertes Körperbild
Einem völlig veränderten Blick auf das Leben
Diese Dinge sind oft unsichtbar, für das Umfeld und auch für die Betroffenen selbst schwer zu greifen. Und genau das macht sie so herausfordernd.
Warum es nicht einfach „weitergeht wie vorher“
Die Diagnose und die Therapie sind ein Einschnitt. Sie verändern nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche und das eigene Selbstbild.
Plötzlich wird vieles hinterfragt:
Was ist wirklich wichtig im Leben?
Welche Belastungen kann und möchte ich noch tragen?
Welche Rolle möchte ich in meinem Alltag einnehmen?
Welche Menschen sollen mich dabei begleiten?
Dinge, die früher leicht gefallen sind, kosten heute vielleicht unendlich viel Kraft. Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind es plötzlich nicht mehr.
Und das führt zu einem Gefühl, das viele beschreiben:
Ich passe nicht mehr ganz in mein altes Leben.
Die „verflixte dritte Phase“
Die Autorin Nella Rausch beschreibt in ihrem Buch „Fliegen mit verklebten Federn“ genau diesen Abschnitt als eine Art „dritte Phase“:
Diagnose
Therapie
Die Zeit danach
Während die ersten beiden Phasen meist von medizinischer Begleitung geprägt sind, bleibt die dritte oft im Schatten. Plötzlich gibt es weniger Termine, weniger Unterstützung, weniger Struktur und dafür umso mehr Raum für Gedanken, Unsicherheit und Überforderung.
Viele fühlen sich in dieser Zeit:
allein gelassen
unverstanden
unter Druck, „endlich wieder zu funktionieren“
Dabei ist genau diese Phase ein entscheidender Teil der Genesung.
Warum Aufklärung so wichtig ist
Ein großes Problem: Diese dritte Phase ist kaum im Bewusstsein, weder bei Betroffenen noch im Umfeld.
Wenn niemand darüber spricht, entstehen Missverständnisse:
Betroffene fühlen sich falsch oder schwach
Angehörige verstehen die anhaltenden Schwierigkeiten nicht
Erwartungen passen nicht zur Realität
Aufklärung kann hier so viel verändern:
Sie nimmt Druck heraus
Sie schafft Verständnis
Sie erlaubt es, ehrlich über Grenzen zu sprechen
Selbsthilfe kann hier helfen.
Nach der Reha beginnen viele Betroffen nach Gleichgesinnten zu suchen, Menschen, die wissen von was man spricht, die das schon erlebt haben, die vielleicht aus eigener Erfahrung einen Ratschlag geben können oder einfach nur mal zuhören. Genau das erlebe und erfahre ich immer wieder in meinem Ehrenamt bei der Frauenselbsthilfe Krebs.
Erholung braucht Zeit – oft mehr, als man denkt
Heilung ist kein linearer Prozess.
Körper und Psyche arbeiten nach einer Therapie noch lange.
Man könnte sagen: Die Behandlung hat aufgehört, aber die Verarbeitung hat gerade erst begonnen.
Das bedeutet:
Fortschritte kommen in kleinen Schritten
Rückschläge gehören dazu
Geduld wird zu einem wichtigen Begleiter
Und manchmal bedeutet es auch, ein neues Gleichgewicht zu finden, nicht das alte Leben zurückzubekommen, sondern ein Neues zu gestalten.
Was Betroffene wirklich brauchen
Statt Erwartungen brauchen Betroffene vor allem eines
Raum für:
ehrliche Gefühle
langsamere Prozesse
neue Prioritäten
Unsicherheit
Heilung im eigenen Tempo
Und sie brauchen Menschen, die zuhören, ohne zu bewerten.
Die nicht sagen „Du bist doch wieder gesund“, sondern fragen:
„Wie geht es dir wirklich?“
Ein neues Verständnis von „gesund“
Vielleicht ist die größte Veränderung, dass Gesundheit plötzlich anders definiert wird. Dass man dem Körper wieder Vertrauen schenken kann und nicht jedes kleine Symptom gleich als die nächste Diagnose sieht.
Nicht als Zustand von „alles ist wie früher“, sondern als ein Prozess, in dem man lernt, mit Veränderungen zu leben. Das Leben nach der Therapie ist oft ein anderes. Und das ist kein Scheitern. Das ist ein Weg, der gegangen werden will.
Fazit:
„Nach der Therapie ist alles wieder gut“ ist ein tröstlicher Gedanke – aber selten die Realität, leider.
Indem wir mehr über die unsichtbaren Folgen sprechen und die „verflixte dritte Phase“ sichtbar machen, können wir Verständnis schaffen – für Betroffene und ihr Umfeld.
Denn Heilung endet nicht mit dem letzten Behandlungstag.
Sie beginnt meiner Meinung nach genau dort erst richtig.
Es gibt diese Tage, da fühlt es sich an, als würde alles gleichzeitig anklopfen. Nicht nacheinander. Nicht geordnet. Sondern auf einmal. Und das persönliche Fass, das wir alle irgendwie mit uns herumtragen, ist ohnehin schon randvoll. Dann braucht es nur noch einen Tropfen – und zack, es läuft über.
Gerade im Moment zehren viele Dinge an mir. Die Pflege meiner Eltern, Erkrankungen oder Verschlechterungen von Befunden im nahen Umfeld. Und ja – auch mein Ehrenamt. Das wird oft romantisiert, aber Ehrenamt kann fordernd sein. Emotional, zeitlich, mental. Wer Verantwortung übernimmt, trägt sie nicht nur auf dem Papier, sondern oft auch im Herzen.
Und dann ist sie plötzlich da, diese Frage, die sich leise anschleicht und sich doch nicht mehr wegschieben lässt: Will ich das alles noch?
Was davon ist wirklich meins?
Was kann – oder darf – ich abgeben?
Und die vielleicht unbequemste Frage von allen: Muss ich etwas hinschmeißen?
Als Achtsamkeitstrainerin und aus eigener Erfahrung weiß ich, wie trügerisch Entscheidungen aus einem Moment der Überforderung heraus sein können. Wenn alles zu viel wird, fühlt sich jede Belastung doppelt so schwer an. Deshalb versuche ich, genau dann einen Schritt zurückzutreten. Nicht zu handeln, sondern wahrzunehmen.
Ich atme durch.
Ich schlafe eine Nacht drüber.
Ich erzähle meinen Freundinnen davon.
Und oft passiert dann etwas Entscheidendes: Mit etwas Abstand wird der Blick weiter. Plötzlich zeigt sich, dass nicht alles gleichzeitig gelöst werden muss. Dass manches geregelt, anderes delegiert werden kann. Und dass es Dinge gibt, die zwar laut sind, aber gar nicht in meinem Tanzbereich liegen.
Manchmal reicht das schon.
Doch es gibt auch die anderen Momente. Die, in denen ehrlich hingeschaut werden muss. In denen alles auf den Prüfstand gehört. Und ja – manchmal bedeutet Achtsamkeit auch, sich von etwas zu trennen. Von Aufgaben, von Rollen, von Erwartungen. Egal, ob es anderen passt oder nicht. Denn an erster Stelle sollte immer stehen, dass es mir dabei gut geht.
Keine leichte Erkenntnis. Aber eine wichtige.
Noch ist dieser Punkt für mich nicht gekommen. Noch wiegt ein Dankeschön von Krebsbetroffenen schwerer als ein kurzfristiger Ärger. Noch trägt mich die Wertschätzung für meine Arbeit weiter, als mich die Belastung hinunterzieht. Und dennoch reflektiere ich mich immer wieder ganz bewusst.
Denn der Krebs war auch bei mir kein Zufall. Er hatte etwas mit Stress zu tun. Mit Überlastung. Mit zu wenig Grenzen.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt an diesen Tagen, an denen einem alles über den Kopf zu wachsen droht: Nicht sofort Antworten zu finden, sondern ehrlich zu bleiben. Sich selbst zuzuhören. Und sich immer wieder zu fragen, ob das eigene Leben noch in einem Maß ist, das trägt – oder ob es anfängt zu drücken.
Manchmal läuft das Fass über.
Und manchmal ist genau das das Signal, ein bisschen Ballast abzulassen, bevor noch mehr verloren geht.
Die letzten Wochen waren anstrengend. Nicht laut, nicht spektakulär. Sondern dieses stille, innere Anstrengend, das sich in die Knochen setzt. Zwei Todesfälle im näheren Umfeld. Nachrichten, dass liebe Menschen ihren letzten Weg antreten – ins Hospiz, in die Palliativbetreuung. Worte, die man liest und die sofort tiefer sinken, als man es zugeben möchte.
Es berührt mich in vielen Schichten. Seelisch. Herzmäßig.
Und ja – es macht mir auch Angst.
Ich bin im achten Jahr nach der Diagnose, im siebten Jahr krebsfrei. Und gerade in solchen Momenten frage ich mich:
Werde ich weiterhin von Schutzengeln begleitet? Von guten Mächten, die mich tragen?
Oder ist das alles nur eine fragile Illusion, die jederzeit reißen kann?
Mein Körper antwortet schneller als mein Kopf. Madame Fatigue packt das große Besteck aus: Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schwindel. Als würde mein System sagen: „Das ist zu viel. Zu nah. Zu vertraut.“
Und natürlich könnte ich es mir leichter machen. Ich müsste ja „nur“ mein Ehrenamt niederlegen. Die Krebsaccounts aus meinem Feed werfen. Mich aus der Krebsbubble verabschieden. Abstand schaffen. Türen schließen.
Aber will ich das?
Ich glaube nicht.
Denn ich sehe es als meine Aufgabe, Mut zu machen. Aufzuklären. Geschichten zu erzählen, die sonst im Stillen verhallen würden. Menschen zu begleiten, die gerade durch ihre dunkelsten Stunden gehen. Ihnen eine Stimme zu geben, wenn sie selbst keine Kraft mehr haben.
Und wenn das Opfer dafür meine Fatigue ist – dann bringe ich es. Nicht leichtfertig. Nicht heroisch. Sondern bewusst.
Weil es eben nicht „nur“ Brustkrebs ist. Weil es eben nicht wieder „alles gut“ ist, sobald die Therapie endet. Weil die Nachsorgejahre nicht einfach ein Bonuslevel sind, sondern ein eigenes Terrain – voller Fragen, Trigger, Schatten und gleichzeitig voller neuer Klarheit.
Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern um sichtbar zu machen, was oft unsichtbar bleibt. Um zu sagen: Auch Jahre später kann die Angst noch leise mitgehen. Auch Jahre später kann der Körper reagieren, wenn das Leben uns an unsere Verletzlichkeit erinnert.
Aber ich schreibe es auch, weil ich weiß: In all dem liegt eine Form von Stärke. Eine, die nicht laut ist. Eine, die nicht glänzt.
Eine, die sich zeigt, wenn wir trotz Müdigkeit weitergeben, was uns selbst einmal gefehlt hat.
Vielleicht ist das mein Weg. Vielleicht ist das meine Art, Sinn zu finden in all dem, was war.
Und vielleicht ist es genau das, was mich – trotz allem – weitergehen lässt.
Mehrmals im Jahr fahre ich in die Vogtlandklinik Bad Elster, um dort die Möglichkeiten der Selbsthilfe vorzustellen. Meine Kollegin Marion ist sogar monatlich mit einem Infostand vor Ort. Viele fragen uns:
Warum macht ihr das eigentlich? Die Antwort ist einfach – und gleichzeitig tief berührend.
🌿 Wenn der Körper zur Ruhe kommt, spricht die Seele lauter
Nach der Akuttherapie beginnt für viele Betroffene in der Reha eine ganz neue Phase. Der medizinische Druck lässt nach, Termine werden weniger, der Alltag rückt in die Ferne. Plötzlich ist Raum da – Raum zum Nachdenken, zum Fühlen, zum Verarbeiten.
Und genau in diesem Moment spüren viele: Der Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, tut gut. Er entlastet, verbindet, stärkt. Doch wo findet man diese Menschen?
🤝 Hier setzt Selbsthilfe an
Die Frauenselbsthilfe Krebs – und natürlich die vielen anderen Selbsthilfeorganisationen – bieten eine Fülle an Gruppen, Angeboten und Begegnungsmöglichkeiten. Für fast jede Lebenssituation gibt es passende Unterstützung.
Denn wenn der Alltag zurückkehrt, tauchen Fragen auf, die in keinem Arztgespräch vorkommen. Momente, auf die einen kein Lehrbuch vorbereitet.
Gefühle, die nur jemand versteht, der sie selbst erlebt hat.
DU BIST NICHT ALLEIN.
Und genau das spürt man in der Selbsthilfe.
🌸 Warum der Zugang oft erst später gelingt?
Natürlich wäre es ideal, schon mit der Diagnose den Weg in die Selbsthilfe zu finden. Viele Kliniken geben ihren Patientinnen und Patienten heute bereits umfangreiches Material mit.
Doch Hand aufs Herz: Im Strudel aus Terminen, Diagnostik, Therapie und der schlichten Tatsache „Ich habe Krebs“ bleibt dafür oft kein Raum. Auch ich selbst habe das damals erst einmal zur Seite geschoben.
Erst während und nach meiner Reha wurde ich offen dafür. Ich habe bewusst nach Angeboten gesucht – und gefunden, was mir gefehlt hatte: Gemeinschaft, Verständnis, Mut.
🌼 Deshalb sind wir in den Kliniken präsent
Mit unseren regelmäßigen Terminen möchten wir zeigen:
Selbsthilfe ist nicht altbacken.
Selbsthilfe ist lebendig, unterstützend und wohltuend.
Selbsthilfe zeigt Wege auf – zurück ins Leben, das weitergeht. Vielleicht anders als vorher, aber dennoch voller Möglichkeiten.
Wir möchten Mut machen, Türen öffnen und zeigen: Es gibt Menschen, die dich verstehen. Es gibt Wege, die du nicht allein gehen musst.
Es gibt Begegnungen, die bleiben. Zwei solcher besonderen Termine liegen hinter mir: zwei Nachmittage voller Aufmerksamkeit, Offenheit und ehrlicher Menschlichkeit. Auf Einladung des SRH Hospiz Werdau durfte ich mit Menschen arbeiten, die ihre Zeit, ihre Kraft und vor allem ihr Herz in das Ehrenamt im Hospiz einbringen.
Diese Gruppe war so vielfältig wie ihre Aufgaben. Einige pflegen den Garten, andere kümmern sich um Öffentlichkeitsarbeit, wieder andere schenken den Gästen das Wertvollste, was wir geben können: Zeit, Nähe und Präsenz. Jede dieser Tätigkeiten ist wichtig. Jede verlangt Achtsamkeit. Und jede fordert auch, gut bei sich selbst zu bleiben.
Achtsamkeit im Ehrenamt – ein Balanceakt
Wer im Hospiz begleitet, begegnet dem Leben in seiner ganzen Tiefe. Freude, Dankbarkeit, Stille, Abschied – all das liegt oft nah beieinander. Umso wichtiger ist es, dass Ehrenamtliche Wege finden, sich selbst nicht zu verlieren, sondern gut für sich zu sorgen.
Genau darum ging es in unserem Workshop: Wie kann ich achtsam bleiben, wenn es emotional wird? Wie finde ich kleine Inseln der Ruhe? Wie kann ich mich selbst stärken, um für andere da zu sein?
Vom Duftanker bis zur alten Buche
Wir haben viel gesprochen, gelacht, nachgedacht und ausprobiert. Besonders schön war der Moment, als wir gemeinsam den Duftanker getestet haben – ein kleines, feines Werkzeug, das hilft, innere Ruhe und Sicherheit schnell wiederzufinden.
Zum Abschluss sind wir hinaus in den Garten gegangen. Dort steht eine beeindruckende, alte Buche – kraftvoll, weit verzweigt, ein stiller Zeuge vieler Geschichten. Unter ihr haben wir eine Baummeditation erlebt: Atmen, anlehnen, spüren, loslassen. Ein Moment, der uns alle verbunden hat.
Achtsamkeit zeigt sich in den kleinen Dingen
Aus diesen beiden Nachmittagen ist etwas Wertvolles entstanden: ein lebendiger Austausch, ehrliche Gespräche und das gemeinsame Gefühl, dass Achtsamkeit nichts Großes sein muss. Sie zeigt sich in kleinen Gesten, in einem Atemzug, in einem Blick nach innen. Und sie ist so individuell wie jeder Mensch, der sich im Hospiz engagiert.
Ich bin dankbar für diese Begegnungen und für all die Menschen, die mit so viel Herz im Ehrenamt wirken. Sie machen die Welt stiller, wärmer und menschlicher.
Seit meiner Brustkrebs Diagnose im Juni 2018 tue ich auf meinem Blog, in Social Media, im Privatleben und in der Frauenselbsthilfe Krebs nichts anderes.
ICH REDE ÜBER KREBS!
Mag den ein oder anderen nerven, manche finden es auch befremdlich, einige meinen auch „Hey, nun hör doch mal auf, du hast keinen Krebs mehr!“
ICH MACHE WEITER!
Es gibt noch immer zu viele Tabus. Zu viele Betroffene, die allein im Regen stehen. Zu viel Unwissen über das Leben nach dem Krebs.
Oft bedanken sich Follower, Leser, Freunde für meine Beiträge, weil das Arbeit für mich ist und Zeit, Nachdenken und Recherche erfordert .
Es ist eine Arbeit, die ich gerne mache und die ich als meine Berufung ansehe.
Zu viele Geschichten, Gerüchte, Unwissen und Unsicherheit sind noch zum Thema Krebs in den Köpfen. Ich möchte informieren, ermutigen, Ängste nehmen, Erfahrungen teilen und Tipps geben.
Und es ist auch eine Art Verarbeitung für mich. Recherchen erfordert es nicht immer. Meist kommt mir eine Idee spontan und wird zum Text oder ich bekomme den Anstoß durch Antworten oder was ich selbst so im Netz lese.
Manche bewundern auch, dass ich mich nach überstandener Erkrankung trotzdem in der Krebs Bubble bewege und quasi immer damit beschäftige.
Horst war Teil meines Lebens 2018 und 2019, jetzt ist er tot, von uns gegangen, fachgerecht entsorgt oder er guckt irgendwo in der Pathologie doof aus dem Glas.
Natürlich denke ich darüber nach, wenn ich zur Kontrolle bin oder auch bei manchen Beiträgen, aber nie so das das Thema alles bestimmt.
Natürlich habe ich Angst vor Rezidiven, ganz neuer Erkrankung und schlechter Prognose.
ABER:
Krebs bestimmt nicht mein Leben!!!
Höchstens Teile meines Terminplanes und die meiste Behördenpost. Obwohl da sind es auch die Nebenwirkungen und Nachwirkungen und nicht der Krebs selbst.
So habe ich das auch schon während der Therapie gehalten.
Claudia Altmann-Pospischek beschreibt es so: „der Krebs ist auf meiner Lebensfahrt mein Beifahrer, mehr nicht.“
Bei mir sind jetzt die körperlichen und seelischen Gegebenheiten meine Beifahrer, mein Schatten. Sie gehören dazu, haben aber nicht die Oberhand. Die meisten Frauen tragen ganz selbstverständlich BH, ich halt Thoraxbandage und Kompressionsstrumpf. Farbe aussuchen, anziehen, nich mehr drüber nach gedacht.
Viele Menschen, die ich kenne, gehen arbeiten, sind selbstständig – mein Job ist, wenn man so will, mein Ehrenamt und Engagement.
Noch viel wichtiger ist mir, meine Tage gut zu füllen mit schönen Kleinigkeiten, Erlebnissen, Ergebnissen, Begegnungen und so weiter. Dazu gehören mein Ehrenamt, mein Blog hier, neues Wissen erlernen, mein Garten, Freunde, Reisen und vieles mehr. Keine Last, mir macht das Spaß.
Zugegeben auch ich habe trübe Gedanken oder mal einen schlechten Tag, das kommt vor. Aber ich gebe mir Mühe, diesen Tagen ihre Berechtigung zu geben, aber nicht übermäßig viel Raum.
Deswegen Rat von mir:
Gebt euren Tagen mehr Leben, mehr Freude, mehr Genuss.
Was morgen ist weiß keiner, also vertagt und verschiebt nicht so viel.
Das Leben ist schön, egal ob man gesund oder krank ist!