Abenteuer Pflege zu Hause – Jetzt wird’s lustig. Also… irgendwie.


Stell dir vor, du hast einen 90‑jährigen Papa, der leicht dement ist und jeden Tag aufs Neue überrascht.
Und eine Mutter, die gerade so eine schwere Darmerkrankung überstanden hat, dass selbst der Darm dachte: „Okay, das war knapp. Und wer hat hier eigentlich ein Loch in die Wand gemacht?“

HEUTE kommt sie aus der Kurzzeitpflege nach Hause.

Willkommen in meinem Alltag – Eintritt frei, Nervenstärke bitte selbst mitbringen.

Es ist ja nicht einfach nur so, dass wir Mutti wieder nach Hause holen.
Nein, nein. Das wäre ja zu einfach.
Es ist vielmehr ein logistisches Großprojekt, das locker mit der Planung einer Mondlandung mithalten könnte (also naja fast):

  • Hilfsmittel beantragen
  • Pflegedienst koordinieren,
  • Termine jonglieren,
  • Formulare ausfüllen,
  • Genehmigungen einholen
  • Arzttermine organisieren

Währenddessen wiehert der Amtsschimmel so laut, dass selbst Papa fragt, ob wir neuerdings einen Bauernhof haben.

Und als Bonuslevel darf ich auch noch Widerspruch gegen die Einstufung des Pflegegrades einlegen.
Pflegegrad 2?
Bei meiner Mutter?
Da hat wohl jemand gewürfelt.

Zum Glück kann ich auf 23 Jahre als Arzthelferin zurückgreifen.
Alte Kontakte, medizinisches Vorwissen und ein organisatorisches Talent, das inzwischen olympische Disziplin sein könnte, retten mich täglich vor dem Nervenzusammenbruch.

Denn krank zu sein ist schon schlimm genug. Aber die Bürokratie dahinter?

Manchmal fühle ich mich wie Asterix und Obelix im „Haus, das Verrückt macht“.
Nur dass mein Passierschein A38 anders heißt:
„Bitte reichen Sie das Formular in dreifacher Ausfertigung ein, unterschrieben, gestempelt, kopiert, eingescannt und am besten noch telepathisch übermittelt.“

Und dann gibt es da noch die Menschen, die dieses Chaos erträglich machen.

♥️♥️♥️

Freunde, die da sind, unterstützen, zuhören, mich bremsen – oder mir einfach Dackelsocken schenken.
Weil manchmal genau das die Art von Liebe ist, die man an einem völlig überdrehten Tag braucht.

Aber hey:
Es ist meine Familie.
Es ist unser Chaos.
Und irgendwie schaffen wir’s jeden Tag wieder – mit Humor, Liebe und der Fähigkeit, über Dinge zu lachen oder ironisch zu schreiben, die eigentlich gar nicht lustig sind.

Und ja, ein bisschen Humor und Ironie rettet mir oft den Tag.


Krebsfreundschaften

Neulich habe ich gelesen:

Ohne den Krebs, hätte ich viele liebe Menschen nicht kennengelernt.

Wohl wahr!

Ab Diagnose bis jetzt 7 Jahre danach, habe ich viele liebe Menschen kennengelernt, die ich ohne dieses Setting nicht getroffen hätte.

Wie so Vieles, was ich ohne den Krebs nie gewagt, erlebt oder erfahren hätte.

Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die durch ihre Diagnose alle im selben Boot sitzen. Manch einer nur als Passagier, manch einer am Ruder, ein paar leider auch am Ausstieg. Alle teilen das gleiche Schicksal, keiner hat es sich ausgesucht oder gewünscht, alle müssen wir da durch.

Krebsfreundschaften sind etwas besonderes, oft kostbar und manchmal leider zeitlich begrenzt. In dem Wissen pflegen wir sie und es sind uns oft Mühen oder Kilometer unwichtig, wenn es gilt füreinander da zu sein.

Deswegen war ich heute in Chemnitz, um Francesca zu treffen, die ihrerseits zum Abschied im Hospiz eine Freundin besucht hat.

Francesca ist meine Kämpferin, den Brustkrebs überwunden, stellt sie sich zum zweiten Mal einem Sarkom und obwohl sie gerade wieder in Therapie ist, fährt sie ihre Freundin besuchen. Da konnte ich nicht nein sagen, als sie fragte ob wir uns treffen. Auch, weil ich sie ein bisschen auffangen möchte nachdem sie bei ihrer Freundin war.

Auch wenn ich euch allen solch bedingungslosen und engen Freundschaften von Herzen wünsche, so möchte ich, dass es keine Krebsfreundschaften sind.

Es ist Brustkrebs Monat!

Informiert euch!

Nehmt die Vorsorgeangebote der Krankenkassen war.

Tastet euch ab!

Krebs macht keine Unterschiede!

Krebs kann jeden treffen!