Wenn Begegnungen online beginnen und menschlich bleiben

Manchmal lernst du Menschen kennen – online – und weißt sofort „das passt“

So geht es mir mit Roland Wagenhäuser. 2024 waren wir gemeinsam Teilnehmer in einem Atemcoaching bei Nicole Büsching und in überschaubarer Runde, wurde es sofort irgendwie gemütlich und familiär.

2025 habe ich Roland bei LinkedIn wieder gefunden und sofort kontaktiert.
Er arbeitet als Resilienz Trainer und Coach und beim Lesen seiner Texte war die Verbindung sofort wieder da.

Als Leiterin des Netzwerk FSH Onliner bin ich immer auf der Suche nach guten Vortragsinhalten für unsere ExpertenTalks und da ist Resilienz ein wichtiges Thema.

Kürzlich war Roland nun Referent bei uns und es entstand ein intensiver Austausch fern ab von PowerPoint und festen Vortragsstrukturen, durch den sich alle etwas mitnehmen konnten.
Und wenn es nur darum geht, dem Rollator einen eigenen Style zu verpassen, mal einen Treppenlift zu testen oder sich selbst einen Miniurlaub zu schenken.

Roland schafft es einfach durch seine eigenen Erfahrungen, und das sind wirklich reichlich, verständlich zu erklären was Resilienz ist, was einen resilient werden lässt und dass es im Leben um dich geht und nicht um das Leben, dass andere leben.

Dieses anfängliche Gefühl von „das passt“ hat mich wieder einmal nicht getäuscht, vielleicht auch weil Roland im Leben auch schon so einiges durchstehen musste und trotzdem so ist wie er ist.
Ehrlich, menschlich und herrlich normal.

Genau das ist es, warum ich meine Arbeit und mein Ehrenamt so gern mache.
Das Zwischenmenschliche, das Miteinander.
Gerade in Zeiten wie diesen so wichtig!

Mein persönliches Ostern – sieben Jahre später


Im März vor sieben Jahren lag ich im Krankenhaus und hatte meine erste brusterhaltende Operation.
Horst flog raus.
Ein Abschied, bei dem ich keine Träne vergossen habe – und das sagt eigentlich schon alles.

Was ich damals nicht ahnte:

Während ich mich von diesem ungebetenen Untermieter verabschiedete, begann gleichzeitig etwas Neues. Neben mir lag eine Frau, die am selben Tag operiert wurde, ein ähnliches Schalentier verabschiedet hatte und mit der ich sofort eine Verbindung spürte. Aus dieser zufälligen Bettnachbarschaft ist eine Freundschaft entstanden, die bis heute hält. Manchmal schenkt das Leben einem genau dann Menschen, die bleiben, wenn man selbst gerade dabei ist, so vieles loszulassen.

Der Plan, der keiner blieb

Ich war fest davon überzeugt, dass ich den Krebs los sein würde, die Bestrahlung noch durchziehe, zur Reha fahre und dann langsam wieder in meinen Beruf zurückkehre.
Ein klarer Weg. Ein Plan, der sich gut anfühlte.

Doch das Leben hatte andere Ideen.

Schon bald zeigte sich ein Lymphödem am rechten Arm. Weitere Operationen folgten. Und aus dem „Zurück in den Job“ wurde ein zäher Kampf um die Erwerbsminderungsrente bis 2021.
Es war, als würde ich durch einen Nebel irren, in dem die alten Wege plötzlich verschwunden waren.

Warum ich das alles schreibe?

Wir feiern Ostern. Und obwohl ich nicht gläubig bin, berührt mich dieser Gedanke von Neubeginn jedes Jahr aufs Neue. Für mich ist Ostern weniger ein religiöses Fest, sondern vielmehr ein Symbol für das Erwachen der Natur, für das erste zarte Grün nach dem Winter, für den Frühling.

Und ohne anmaßend sein zu wollen:
Der März 2019 war mein persönliches Ostern.

Ich musste mich verabschieden – von meinem alten Leben, meinem Beruf, meiner Arbeitsfähigkeit, meiner früheren Zuverlässigkeit. Und leider auch von Menschen, die mich auf diesem neuen Weg nicht begleiten konnten oder wollten.

Doch gleichzeitig begann etwas Neues.
Ein Weg, der nicht geplant war, aber sich nach und nach zeigte.
Ein Weg, der mich zu mir selbst zurückgeführt hat – zu meinen Kapazitäten, zu meiner Kreativität, zu meiner Fähigkeit, andere zu begleiten.

Ein Neubeginn, den ich nicht gesucht habe – aber der mich verändert hat

Den Krebs hätte ich wirklich nicht gebraucht!
Aber er hat mir – bei allem Schmerz, bei aller Erschöpfung – auch eine Chance gegeben.
Eine Chance, mein Leben neu zu ordnen.
Eine Chance, milder mit mir zu werden.
Eine Chance, ein Kapitel zu öffnen, das ich sonst vielleicht nie betreten hätte.

Heute, sieben Jahre später, schaue ich auf diesen März zurück wie auf einen Wendepunkt.
Nicht glorifiziert, nicht verklärt – aber mit einem tiefen Verständnis dafür, dass Abschiede manchmal der Anfang von etwas sind, das wir uns noch gar nicht vorstellen können.

Und vielleicht ist das der eigentliche Zauber des Frühlings:
Er erinnert uns daran, dass selbst nach den härtesten Wintern etwas Neues wachsen kann.

Abenteuer Pflege zu Hause – Jetzt wird’s lustig. Also… irgendwie.


Stell dir vor, du hast einen 90‑jährigen Papa, der leicht dement ist und jeden Tag aufs Neue überrascht.
Und eine Mutter, die gerade so eine schwere Darmerkrankung überstanden hat, dass selbst der Darm dachte: „Okay, das war knapp. Und wer hat hier eigentlich ein Loch in die Wand gemacht?“

HEUTE kommt sie aus der Kurzzeitpflege nach Hause.

Willkommen in meinem Alltag – Eintritt frei, Nervenstärke bitte selbst mitbringen.

Es ist ja nicht einfach nur so, dass wir Mutti wieder nach Hause holen.
Nein, nein. Das wäre ja zu einfach.
Es ist vielmehr ein logistisches Großprojekt, das locker mit der Planung einer Mondlandung mithalten könnte (also naja fast):

  • Hilfsmittel beantragen
  • Pflegedienst koordinieren,
  • Termine jonglieren,
  • Formulare ausfüllen,
  • Genehmigungen einholen
  • Arzttermine organisieren

Währenddessen wiehert der Amtsschimmel so laut, dass selbst Papa fragt, ob wir neuerdings einen Bauernhof haben.

Und als Bonuslevel darf ich auch noch Widerspruch gegen die Einstufung des Pflegegrades einlegen.
Pflegegrad 2?
Bei meiner Mutter?
Da hat wohl jemand gewürfelt.

Zum Glück kann ich auf 23 Jahre als Arzthelferin zurückgreifen.
Alte Kontakte, medizinisches Vorwissen und ein organisatorisches Talent, das inzwischen olympische Disziplin sein könnte, retten mich täglich vor dem Nervenzusammenbruch.

Denn krank zu sein ist schon schlimm genug. Aber die Bürokratie dahinter?

Manchmal fühle ich mich wie Asterix und Obelix im „Haus, das Verrückt macht“.
Nur dass mein Passierschein A38 anders heißt:
„Bitte reichen Sie das Formular in dreifacher Ausfertigung ein, unterschrieben, gestempelt, kopiert, eingescannt und am besten noch telepathisch übermittelt.“

Und dann gibt es da noch die Menschen, die dieses Chaos erträglich machen.

♥️♥️♥️

Freunde, die da sind, unterstützen, zuhören, mich bremsen – oder mir einfach Dackelsocken schenken.
Weil manchmal genau das die Art von Liebe ist, die man an einem völlig überdrehten Tag braucht.

Aber hey:
Es ist meine Familie.
Es ist unser Chaos.
Und irgendwie schaffen wir’s jeden Tag wieder – mit Humor, Liebe und der Fähigkeit, über Dinge zu lachen oder ironisch zu schreiben, die eigentlich gar nicht lustig sind.

Und ja, ein bisschen Humor und Ironie rettet mir oft den Tag.


Krebsfreundschaften

Neulich habe ich gelesen:

Ohne den Krebs, hätte ich viele liebe Menschen nicht kennengelernt.

Wohl wahr!

Ab Diagnose bis jetzt 7 Jahre danach, habe ich viele liebe Menschen kennengelernt, die ich ohne dieses Setting nicht getroffen hätte.

Wie so Vieles, was ich ohne den Krebs nie gewagt, erlebt oder erfahren hätte.

Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die durch ihre Diagnose alle im selben Boot sitzen. Manch einer nur als Passagier, manch einer am Ruder, ein paar leider auch am Ausstieg. Alle teilen das gleiche Schicksal, keiner hat es sich ausgesucht oder gewünscht, alle müssen wir da durch.

Krebsfreundschaften sind etwas besonderes, oft kostbar und manchmal leider zeitlich begrenzt. In dem Wissen pflegen wir sie und es sind uns oft Mühen oder Kilometer unwichtig, wenn es gilt füreinander da zu sein.

Deswegen war ich heute in Chemnitz, um Francesca zu treffen, die ihrerseits zum Abschied im Hospiz eine Freundin besucht hat.

Francesca ist meine Kämpferin, den Brustkrebs überwunden, stellt sie sich zum zweiten Mal einem Sarkom und obwohl sie gerade wieder in Therapie ist, fährt sie ihre Freundin besuchen. Da konnte ich nicht nein sagen, als sie fragte ob wir uns treffen. Auch, weil ich sie ein bisschen auffangen möchte nachdem sie bei ihrer Freundin war.

Auch wenn ich euch allen solch bedingungslosen und engen Freundschaften von Herzen wünsche, so möchte ich, dass es keine Krebsfreundschaften sind.

Es ist Brustkrebs Monat!

Informiert euch!

Nehmt die Vorsorgeangebote der Krankenkassen war.

Tastet euch ab!

Krebs macht keine Unterschiede!

Krebs kann jeden treffen!